[Rezension] Aquila

Aquila – Ursula Poznanski

Aquila

Verlag: Loewe Verlag | Seiten: 432
Preis: Broschiert 16,95€ | ISBN: 978-3-7855-8613-6
Erschienen: 2017

Klappentext
Ohne Erinnerung an die letzten zwei Tage streift die Studentin Nika durch Siena. Sie vermisst ihr Handy, ihre Schlüssel und ihren Pass. Mitbewohnerin Jennifer ist ebenfalls verschwunden. Dafür steckt in Nikas Hosentasche ein Zettel mit mysteriösen Botschaften und Anweisungen. Das Blut ist nicht deines. Du weißt, wo das Wasser am dunkelsten ist. Halte dich fern von Adler und Einhorn … Welchen Sinn soll das ergeben? Und was, zum Teufel, ist geschehen zwischen Samstagabend und Dienstagmorgen? © Loewe Verlag


Meine Meinung
Während des Lesens dachte ich des Öfteren: “Zum Glück liegt mein Auslandsjahr in Florenz schon hinter mir und nicht noch vor mir. Was wenn meine Mitbewohnerin auch verschwindet?”. Gelegentlich hat mich die Handlung des Buches an den Mordfall von Meredith Kercher in Perugia erinnert (möglicherweise sagt euch in diesem Zusammenhang der Name Amanda Nox etwas?). Aber das war gar nicht weiter schlimm, denn so wurde der Nervenkitzel und der Wunsch, endlich mehr zu erfahren, immer größer.

Das Rätselraten beginnt eigentlich schon auf der ersten Seite. Und auch das erste Kapitel endet mit einem Cliffhanger, den man ungeduldig herbeisehnt. Und so geht es im Buch eigentlich weiter. Man nimmt Nika ihre Nervosität, Verwirrtheit, Ungeduld und Unsicherheit ab. Man fiebert mit ihr und fühlt zusehends die aufkommende Beklemmung. Der Thriller entpuppt sich also schon von Anfang als Pageturner und behält dieses Attribut bis zur letzten Seite. Man liest weiter, weil man unbedingt mehr wissen will. Als Leser ist man genauso ahnungslos wie Nika. Ihre Gedächtnisstützen sind extrem verzwickt. Und trotz meiner Italienischkenntnisse ist mir ein entscheidender Hinweis überhaupt nicht aufgefallen.

Nika hat mich zu Beginn etwas genervt, bzw. eigentlich nur ihre Unfähigkeit zu kommunizieren. Zusammengefasst, ich war genervt von ihren mangelnden Italienischkenntnissen. Als jemand der seit Kindesbeinen Italienisch lernt, war es zunächst schwer sich in diese Rolle hineinzuversetzen. Langsam aber sicher wurde es immer besser. Schlussendlich war sie mir dann doch sympathisch.

Was das Italienisch im Buch angeht, muss ich leider auch etwas meckern. Ich habe die Danksagung gelesen und weiß, dass die Autorin Unterstützung beim Formulieren hatte. Aber wenn man diese Hilfe in Anspruch nimmt, dann sollten die insgesamt 20-30 Sätze am Ende trotzdem nochmal korrigiert werden. Das ist jetzt vielleicht Jammern auf hohem Niveau, aber fehlerfreies Italienisch in einem Buch, dessen Dreh- und Angelpunkt eine italienische Stadt ist, sollte selbstverständlich sein. Aber es hätte ja auch schlimmer sein können.

Zunächst stand ich der ‘Beziehung’ zwischen Nika und Stefano etwas skeptisch gegenüber. Aber ich bin begeistert, welche Wendung diese genommen hat. Das hätte ich ehrlich gesagt nicht erwartet. Da hat die Autorin für einen richtigen Überraschungseffekt gesorgt. Danke.

‘Aquila’ ist eine Schnitzeljagd durch Siena, einer wunderschönen Stadt. Ein erneuter Besuch würde sich lohnen. Man könnte sich auf die Spur von Nika und Jenny begeben und die Stadt nochmal aus einer anderen Perspektive betrachten.

Nika verfängt sich immer tiefer in Verstrickungen, die sie in ihrer Komplexität zunächst gar nicht erahnen kann. Man möchte wirklich nicht den Platz mit ihr tauschen. Wie gesagt, sind die Gedächtnisstützen extrem verzwickt und ziemlich genial. Auch ihre Lösungen haben es in sich. Es hat mir sehr gut gefallen, wie mit der Symbolik der Stadt ‘gespielt’ wird. Die Lösung des Falls war etwas verwirrend, aber nicht zu sehr. Glücklicherweise war die Auflösung auch nicht zu simpel. Wäre ja sonst langweilig gewesen. Es ist einfach ein Thriller bei dem man aufpassen, mitdenken und immer ein offenes Auge haben muss. Die Brutalität hält sich auch eher in Grenzen.

Ich weiß nicht, ob die Autorin für diesen Roman eine Reise nach Siena unternommen hat. Manchmal erschienen mir die Beschreibungen zu oberflächlich. Das italienische Flair kam nicht so ganz rüber und die Atmosphäre wirkte eher etwas tonlos, ein wenig austauschbar. Aber darüber konnte ich hinwegsehen, weil viele andere Aspekte diesen Roman zu etwas Besonderem machen.

Übrigens, wenn man mich fragen würde, würde ich mein Auslandsjahr in Florenz morgen nochmal antreten. Und meine Mitbewohner waren auch in Ordnung. Das Leben ist halt kein Buch.


Mein Fazit
Italien ist ein beliebtes literarisches Reiseziel. Man denke an Florenz (Dan Brown) oder Venedig (Cornelia Funke). Und es gibt bestimmt noch zahlreiche andere Autoren, die mir jetzt nicht einfallen. Ursula Poznanski beweist uns, dass auch Siena das Potenzial dazu hat, ein geeigneter Schauplatz für Thriller o. Ä. zu sein. ‘Aquila’ ist ein anspruchsvoller, spannender Thriller, der an den Nerven der Leser zerrt. Von daher, spreche ich eine absolute Leseempfehlung aus.

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