[Rezension] Das Lied der wilden Delfine

Das Lied der wilden Delfine – Rachel Smolker

Verlag: Ullstein Verlag | Seiten: 285
Originaltitel: To Touch a Wild Dolphin | Übersetzer: Thorsten Schmidt
Preis: – | ISBN: 978354836391
Erschienen: 2002

Klappentext
Seit rund zwanzig Jahren lebt die Verhaltensbiologin Rachel Smolker mit einer Gruppe wild lebender Delfine in einer abgelegenen Bucht in Westaustralien. Es gelang ihr, das Vertrauen der klugen Tiere zu gewinnen. Sie berichtet vom Sozialverhalten und von Kommunikation der Delfine, aber auch von ihren ganz persönlichen, anrührenden und komischen Erlebnissen mit ihren schwimmenden Partnern, die ihr im Laufe der Jahre ans Herz gewachsen sind. © Ullstein Verlag


Meine Meinung
Dieses Buch habe ich zufällig im Bücherschrank in der Erlanger Innenstadt gefunden. Ich habe das Buch sofort mitgenommen, ohne groß zu überlegen. Denn ich liebe Delfine. Sie sind meine Lieblingstiere. Mit ihrem Erfahrungsbericht nimmt die Autorin den Leser mit auf eine spannende Reise in die Welt der Delfine. Der Bericht mischt pesönliche Erfahrungen und wissenschaftliche Erkenntnisse, auf eine spannenden und abwechslungsreiche Art und Weise. Dieses Buch zeichnet das Ende ihrer akademischen Karriere von Rachel Smolker, da sie nun ‘sesshaft’ geworden ist. Meiner Meinung nach eine wunderschöne Idee, die breite Öffentlichkeit auf dieses Weise an wichtigen Erkenntnissen teilhaben zu lassen.

Obwohl der Bericht sehr wissenschaftlich angehaucht ist (und somit in starkem Kontrast zu einem anderen, ähnlichen Buch steht – ‘Das Lächeln des Delfins’ von Pascale Noa Bercovitch), ist er trotzdem verständlich. Für einen Laien, der sich mit diesem Themengebiet nicht auskennt, ist das Buch genau richtig. Ich kam mir vor, als würde in meinem Kopf ein Dokumentarfilm ablaufen.

Was mich umgehauen hat, ist die Tatsache, dass die Autorin es schafft dem Leser die rosa Brille abzunehmen. In unserer Gesellschaft gelten Delfine als süß, lieb und fröhlich. Sie lässt den Leser hinter diese Fassade schauen, die teilweise gar nicht so rosa ist, sondern ziemlich nüchtern. Auch Delfine können brutal und berechnend sein. Das mag man zunächst nicht glauben, ist aber wahr.

Die Autorin schreibt nicht nur über das Leben der Delphine, oder über ihre Jagdtechniken, über die sozialen Interaktionen, ihre Anatomie und wie sie kommunizieren, sondern auch über die wissenschatliche Realität, die sich dahinter verbirgt. Über das Leben im Camp, über mangelnde Forschungsgelder und somit über den steinigen Weg, den man als junger Forscher zumeist gehen muss. Sie schreibt darüber, wie aus einem Abenteuer Forschung wurde. Obwohl die Gelder manchmal knapp geworden sind, hat die Forscherin und Autorin eines nicht verloren: die Leidenschaft. Und das liest man.

Das Ende hat mich sehr melancholisch gestimmt. Die Autorin hat mich auf eine wunderschöne Reise mitgenommen. Am liebsten hätte ich mich ins kühle Nass zu den Delfinen gestürzt. Die Autorin kritisiert auch: die Menschen und ihr Verhalten den Delphinen und der Umwelt gegenüber. Sie verfasst ein Pladoyer, das mich sehr nachdenklich gestimmt hat. Und ich fange an, meine Einstellung gegenüber Delfinen zu überdenken.

Seit 2002 sind viele Jahre vergangen. Ich habe mich gefragt, wie es wohl um die Delfine in der Shark Bay steht. Im Zuge meiner Recherchen habe ich diese tolle Homepage gefunden: The Shark Bay Dolphin Project


Mein Fazit
Obwohl das Buch schon etwas älter ist, ist es trotzdem lesenswert. Ich empfehle dieses Buch jedem Delfin-Fan. Eine tolle Reise erwartet euch! Und schaut über die Grenze des süßen Flippers.


Lieblingszitat
“Delfine können in der Tat nett, sanft und süß sein, aber sie können auch gemein, selbstsüchtig und nach unseren Maßstäben ausgesprochen “politisch unkorrekt” sein. Sie sind, wie wir, vielschichtig und facettenreich.” (S. 183)

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