[Rezension] Stadt aus Wind und Knochen

Stadt aus Wind und Knochen – Fran Wilde

Wind und Knochen

Verlag: Droemer Knaur | Seiten: 400
Übersetzerin: Marie-Luise Bezzenberger | Originaltitel: Updraft
Preis: TB 12€ | ISBN: 978-3-426-52063-5
Erschienen: 2017

Klappentext
Mit der Magie ihrer Stimmen haben die Sänger vor langer Zeit Chaos und Krieg beendet. Seitdem herrschen sie unangefochten in der Stadt der beinernen Türme hoch über den Wolken. Sie sind Hüter des Gesetzes, Bewahrer der Traditionen und die Einzigen, die die Knochentürme weiterwachsen lassen können.
Als die junge Kirit die Aufforderung erhält, sich den Sängern anzuschließen, ahnt sie nicht, dass im Inneren der geheimnisvollen Knochennadel ihr Weltbild ins Wanken geraten wird – und mit ihm alles, was der Stadt der beinernen Türme Frieden und Sicherheit garantiert. © Droemer Knaur


Meine Meinung
Ich habe diesen Roman beim zufälligen Stöbern in einer Buchhandlung gefunden. Das Cover hat irgendwie meine Aufmerksamkeit gefesselt und meine Neugier geweckt. Ich wollte es zunächst nicht mitnehmen, aber während ich so durch den Buchladen schlenderte, sind meine Gedanken immer wieder zum Buch zurück gewandert. Fieberhaft habe ich überlegt, welche Geschichte das Cover erzählt bzw. welche Geschichte sich zwischen den Buchdeckeln verbirgt. Demnach habe ich es mitgenommen und es nicht bereut. Im Nachhinein bestätigt sich mein erster Eindruck: Das Cover passt zur Geschichte, wie die Faust aufs Auge.

Es ist eine interessante Mischung aus Fantasy, Scien-Fiction und Dystopie. Eine Mischung in der mich zu Hause fühle. Am Ende habe ich erfreut festgestellt, dass es sich bei diesem Roman um den Auftakt einer Reihe handelt.

Zu Beginn war es etwas schwer in die Welt einzutauchen. Man erhält nur sehr wenig Hintergrundinformationen, was dazu führt, dass viele Fragen aufgeworfen werden. Die meisten Fragen kann man sich im Laufe der Lektüre selbst beantworten. Trotzdem hätte ich gerne noch mehr über die Anfänge erfahren. Wo kommen die Knochentürme her, warum leben die Menschen dort, wodurch wurde der Krieg ausgelöst, etc.? Die Geschichte deutet immer wieder vieles an, gibt aber keine konkreten Informationen. Es bleiben viele Fragen und Geheimnisse offen. Ich bin auf den 2. Teil gespannt.

Das Gesellschaftssystem wird sehr gut erläutert und besonders im zweiten Teil des Romans erfährt man viele Einzelheiten, die der Handlung noch mehr Tiefe verleihen. Zu Beginn fand ich den Gedanken in einem Knochenturm zu leben sehr befremdlich, wenn nicht sogar abstoßend. Aber letztendlich machen diese Knochentürme den Charme der Geschichte aus und werden zu einem besonderen und wichtigen Element. Die Autorin zeichnet damit eine vollkommen andere und fremde Welt, die sich perfekt dazu eignet aus dem grauen Alltag zu entfliehen bzw. zu ‘entfliegen’. Ich könnte mir zwar nicht vorstellen dort zu leben. Wahrscheinlich würde ich mein ganzes Leben in einem Turm fristen, weil ich viel zu viel Angst vor dem Fliegen hätte.

Die Figuren haben mich überzeugt. Kirit, die Protagonistin, ist tough, stur und unglaublich mutig. Sie hat auf jeden Fall das Zeug zu anderen Protagonisten wie Katniss (Tribute von Panem) aufzuschließen. Sie lässt sich nicht leicht verbringen und bleibt ihren Idealen treu, auch wenn sie manchmal gezwungen ist anders zu handeln als ihr lieb wäre. Aus Wik bin ich ehrlich gesagt nicht so ganz schlau geworden. Er ist sehr geheimnisvoll und bleibt mir schleierhaft. Der Roman verdient einen großen Pluspunkt, denn: Er ist das perfekte Beispiel dafür, dass eine gute Geschichte auch ohne große Romantik und Kitsch auskommt.

Die Handlung ist innerhalb des Romans in drei Teile geteilt. Jeder Teil hat eine abgeschlossene Spannungskurve. Zu Beginn hatte ich immer das Gefühl bereits zu wissen, wie sich die Handlung entwickeln würde. An jedem Knotenpunkt wusste ich bereits wie es nun ausgehen würde. Aber naja, weit gefehlt! Zum Glück. Es entstehen immer mehr interessante und raffinierte Verwicklungen und Wendungen. So ist die Geschichte niemals langweilig oder gar langatmig geworden.

Im 2. Teil hat mich ein Element sehr stark an ein anderes Fantasy-Epos erinnert. Allerdings war dies nicht weiter schlimm, da sich das Element perfekt in die Handlung eingefügt hat und eine eigene Daseinsberechtigung entwickelt hat (und es somit nicht einfach nur kopiert hat).

Am Ende eines jeden Teils flogen die Seiten nur so dahin und es entfaltete sich eine regelrechte Sogwirkung. Ich hatte auch stets das Gefühl dabei zu sein. Die Autorin schaffte es mit ihren eindringlichen Beschreibungen dafür zu sorgen, dass ich mich nicht mehr in meinem Bett befand, sondern mit Kirit durch die Luft segelte (irgendwann muss man ja mal seine Angst überwinden).


Mein Fazit
“Stadt aus Wind und Knochen” gehört zu meinen Jahreshighlights 2017. Es ist ein spannungsgeladenes faszinierendes Abenteuer mit einem hohem Unterhaltungswert. Ich hoffe, ich habe euch mit meiner Begeisterung angesteckt. Tolles Debüt, raffinierte Handlung und eine mitreißende Hauptfigur.

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