[Rezension] Ein Engel in der Nacht – Hörspiel

Ein Engel in der Nacht – Cornelia Funke und Luna Pearl Woolf

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Verlag: Pentatone | Dauer: 1 Std, 7 Min
Original: Angel Heart | Übersetzer: ?
Erschienen: 2013, 2019

Kurzbeschreibung
Rahmiel, der Engel der Liebe und Mitgefühl, kommt auf die Erde und trifft auf Luna, ein liebeskrankes Mädchen mit einem gebrochenen Herzen. Rahmiel beschließt ihr Herz zu heilen. Er nimmt sie mit auf eine lange nächtliche Reise und hilft ihr dabei, ihr Lächeln wieder zu finden.


Meine Meinung
Normalerweise höre ich während des Trainings im Fitnessstudio Hörspiele wie „Fünf Freunde“, „Die Drei ???“ und seit neustem sogar „TKKG“. Die sind alle schön eingängig, man kann in Ruhe zuhören und nebenbei trainieren. Doch bei meinem letzten Training habe ich mich (zufällig) für dieses Hörbuch entschieden – ohne zu wissen, was mich erwartet. Nach den ersten Minuten formte sich ein erstes Urteil in meinem Kopf und ich war kurz davor abzubrechen. Was aus meinen Kopfhörern tönte, war ungewöhnlich und irgendwie nicht mein Fall. Aber ich bin dabei geblieben und ich habe es nicht bereut.

Wie Titel bereits verrät, handelt es sich bei „Ein Engel in der Nacht“ um eine musikalische Erzählung. Was kann man sich darunter vorstellen? Die Tonspuren sind unterschiedlich aufgebaut. Die Geschichte von Rahmiel und Luna stammt von Cornelia Funke; sie selbst tritt hier auch als Vorleserin auf. Diese gesprochenen Sequenzen sind mit Instrumentalmusik unterlegt. Es handelt sich dabei um musikalische Kompositionen von Luna Pearl Woolf. Die übrigen Tonspuren enthalten Lieder u.a. von Irving Berlin, Jack Heggie oder Engelbert Humperdinck. Der Gesang (auf Deutsch, Englisch und ich meine Französisch) stammt von Frederica von Stade, Daniel Taylor, Lisa Delan und Zhen Cao und diese werden musikalisch von Matt Haimovitz und dem Uccello Ensemble begleitet. Es alternieren demnach Tonspuren mit gesprochenen Sequenzen, die die Geschichte erzählen, und Musiksequenzen. Cornelia Funke war mir selbstverständlich von Anfang an ein Begriff; aber die Musiker, die Komponistin, die Sänger und die Lieder waren mir vollkommen unbekannt.

Zu Beginn fand ich die Gesangs-Sequenzen sehr störend; ich wollte viel lieber wissen, wie sich die Reise von Rahmiel und Luna entwickelt. Ob Luna es schafft, wieder zu lächeln. Dass ich sie als solche empfunden habe, liegt daran, dass ich kein Fan von der Art des Gesangs bin, nämlich Operngesang (so würde ich es zumindest nennen. Ob es tatsächlich Operngesang ist, kann ich nicht sagen). Das ist einfach Geschmackssache – hat an sich aber nichts mit der Qualität der Musik oder des Gesangs zu tun – denn diese ist eindrucksvoll, harmonisch und fügt sich, wie zugeben kann, stimmungsvoll in die Geschichte ein. Letztendlich habe ich mich an die Opernsequenzen gewöhnt oder sagen wir, ich habe mich damit angefreundet. Vor allem die Wiegenlieder am Ende haben mich mitgerissen und berührt. Von der Instrumentalmusik hingegen, mit welcher die Geschichte unterlegt ist, konnte ich nicht genug bekommen.

Die Geschichte von Rahmiel und Luna ist einfach, gefühlvoll, emotionsgeladen, beruhigend und zauberhaft. Sie handelt von der Liebe, von Liebeskummer und schließlich vom Heilen. Es wird nie konkret gesagt, an welchen Liebesschmerz Luna leidet. Somit steht es dem Zuhörer frei, sich selbst zu überlegen, woran ihr Herz zerbrochen ist oder wer es gebrochen hat. Dieser Interpretationsspielraum gab mir die Möglichkeit, einen Teil meines Liebeskummers in Lunas Herz zu legen und diesen dann von Rahmiel, der Hexe, dem Rabenmann und den Himmelsrichtungen heilen zu lassen. Während des Zuhörens habe ich gelacht, hatte Gänsehaut und einmal ist mir fast ein Tränchen entschlüpft (da ich aber wie gesagt im Fitnessstudio war, habe ich mich zusammengerissen). Obwohl ich eine Weile brauchte, mich auf dieses Format einzulassen, konnte ich mich dann doch fallen lassen und diese besondere Reise antreten. Anfangs hatte ich auch Probleme mich auf die Engelsfigur einzulassen, weil ich eine dieser Personen bin, die nicht an Engel glaubt. Auch wenn die Geschichte meine Meinung dahingehend nicht ändern konnte, hat mir Rahmiel als Figur trotzdem sehr gut gefallen. Und ich muss ganz ehrlich zugeben, dass am Ende von Rahmiels und Lunas nächtlicher Reise es mir so vor kam, als wäre mein Herz ein bisschen leichter und mein Lächeln ein bisschen ehrlicher geworden. Selbst das Training ging irgendwie leichter.

Cornelia Funke überzeugt hier nicht nur sprachlich (wie immer). Die Autorin überzeugt auch rednerisch. Dass sie ihre eigenen Geschichten überzeugend in Szene setzen kann, weiß ich schon seit den Wilden Hühnern und sie hat es bei ihrer Lesung zu „Das Labyrinth des Fauns“ nochmal bestätigt. Auch wenn ich es „nur“ in der Übersetzung gehört habe, hatte ich trotzdem das typische Cornelia-Funke-Gefühl. Und zwar: Heimat.


Mein Fazit
Das Format dieser musikalischen Erzählung ist außer- bzw. ungewöhnlich. Ich brauchte eine Weile mich einzufinden und mich fallen zu lassen. Ich bin zwar immer noch nicht sicher, ob mir der Aufbau bzw der Operngesang gefällt, aber wenn ich vom Gesamtbild ausgehe, dann kann ich sagen, dass es sich durchaus gelohnt hat, das Hörbuch nicht abzubrechen. Letztendlich geht es mir um die Geschichte. Und „Ein Engel in der Nacht“ ist eine märchenhafte Geschichte mit einem wunderschönen Ende, das Hoffnung spendet. Ich bin ehrlich begeistert.

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