[Rezension] A Quick & Easy Guide To Asexuality

A Quick & Easy Guide To Asexuality – Molly Muldoon & Will Hernandez

Das Buch liegt auf zwei verschiedenen Decken, weiß und schwarz. Um das Buch verteilt liegen unzählige ausgestanzte kleine Papierherzen in den Farben schwarz, grau, weiß und lila (der Asexuality-Flagge entsprechend).

Verlag: Oni Press | Seiten: 72
Erschienen: 2022

Kurzbeschreibung

In diesem Selbsthilfebuch gehen die Autor*innen Molly Muldoon und Will Hernandez der Frage „Was ist Asexualität?“ auf die Spur. Sie räumen mit Missverständnissen auf, teilen ihre eigenen Erfahrungen und sorgen dafür, dieser sogenannten „unsichtbaren Orientierung“ mehr Sichtbarkeit zu verschaffen. Ein Vorhaben, das in unserer westlichen, übersexualisierten, hetero- und allonormativen Welt kein einfaches Unterfangen ist.


Meine Meinung

Der Titel dieses Comic-Heftes hält was er verspricht: auf knapp 70 Seiten erhält man eine schnelle, unkomplizierte und übersichtliche Einführung in das Thema Asexualität. Asexualität ist eine sexuelle Orientierung, genau wie Homo-, Hetero- oder Bisexualität. Asexualität bezeichnet die Abwesenheit sexueller Anziehung gegenüber einer anderen Person, unabhängig von Gender und Geschlecht. Das Gegenteil von einer asexuellen Person ist eine allosexuelle Person.

Natürlich kann man sich mit dieser Erklärung zufriedengeben, dann übersieht man allerdings eine Menge; denn die Implikationen und Konsequenzen, die diese Identität mit sich bringen, sind vielfältig. Und wer dafür ein genaueres Verständnis erlangen möchte, ist mit diesem Buch gut bedient. Der Comic ist ein Own-Voice-Sachbuch: Beide Autor*innen identifizieren sich als asexuell und ordnen sich selbst auf dem asexuellen Spektrum ein.

Der Comic möchte eine sehr breite Zielgruppe ansprechen: „So if you’re ace, or not, or somewhere in between, this book is for you” – also jede*r, ob allo- oder asexuell, ist willkommen, das Buch zu lesen. Nicht nur erklärt der Comic in einfachen Worten, was es mit dieser sexuellen Orientierung auf sich hat, sondern nutzt dazu auch Metaphern (die Kuchen-Metapher) und viele (fast) selbsterklärende Beispiele. Die Autor*innen besprechen nicht nur Theoretisches, also zB was es mit dem asexuellen Spektrum auf sich hat (Demisexualität, Gray-Sexualität usw.) oder was hinter dem Wort Aromantik steckt und in welcher Beziehung diese romantische Orientierung mit der Asexualität steht, sondern erzählen auch über sehr Alltägliches und „Praktisches“. Sie zeigen welchen Problemen eine asexuelle Person gegenüber steht, wenn es um Partner*innensuche oder das Erwachsenwerden allgemein geht. Sie räumen mit (diskriminierenden und verletzenden) Stereotypen und Vorurteilen auf und diskutieren die Bedeutung von Repräsentation und Gemeinschaft (häufig werden asexuelle Personen nämlich aus den LGBTQIA+ Räumen ausgeschlossen. An dieser Stelle hat mich die Behauptung erstaunt, dass das „A“ für „ally“ steht – das war mir so nicht bekannt. Ich dachte viel eher, dass das „A“ der Platzhalter für agender oder asexuelle Personen wäre.)

Dieses aufklärende Comic-Heft beantwortet die häufigsten Fragen rundum Asexualität auf sehr grundlegende Art und Weise; gelengetlich fehlt der Tiefgang. Auf 70 Seiten, die im Comic-Stil gehalten sind, werden viele Themen lediglich angerissen, aber nicht weiter vertieft. Da ich mit einem gewissen Vorwissen an die Lektüre herangegangen bin, das ich mir aus verschiedenen englischsprachigen Foren und Wikis zusammengelesen habe, waren die Inhalte nicht neu für mich. Ich konnte mein angesammeltes Wissen gegenprüfen und meine eigenen Erfahrungen validieren. Natürlich mögen asexuelle Personen eine der Zielgruppen dieses Buches sein, aber ich denke eher, dass es sich für diejenigen Personen dieser Gruppe eignet, die sich noch ganz am Anfang ihrer Reise befinden. Allosexuelle Personen oder allgemein Personen, die außerhalb der Ace-Community stehen (zB für Freund*innen und Familienmitglieder von asexuellen Personen), können aus diesem Buch wohl den größten Wissenszuwachs erwarten.

Der Comic schafft Grundlagen, um für diese sexuelle Orientierung ein Gefühl zu bekommen und um deren Sichtbarkeit zu vergrößern. Als Ausgangslektüre um für weitere, vertiefende Literatur zum Thema ausgerüstet zu sein, ist der Comic auf jeden Fall zu empfehlen. Aber wie gesagt, sollte man inhaltlich nicht zu viel erwarten: An einigen Stellen greift es zu kurz und ist zu simpel gestaltet. Es schafft Grundlagen, nicht mehr und nicht weniger. Auf einer der ersten Seiten führen die Autor*innen aus, welche Themen sie nicht vertiefen (wie zB das „Split Attraction Model“). Dazu verweisen sie auf die Sammlung weiterführender Literatur am Ende des Buches.

Den Zeichenstil war recht einfach gehalten, mit wenig Schnickschnack oder Ablenkendes. Der Stil hat definitiv dazu beigetragen, die Inhalte auf bildlich und sprachlich angemessene Weise rüberzubringen. Das Wissen wird in einer Art Dialog vermittelt, es ist kein belehrendes Monologisieren. Die Autor*innen bzw ihre Comic-Alter-Egos erschienen sehr sympathisch. Sie verringern auf diese Weise die Berührungsängste mit der Thematik und erleichtern den Umgang mit dem Thema.


Mein Fazit

„A Quick and Aasy Guide To Asexuality” ist ein informatives und hilfreiches kleines Buch zum Thema Asexualität, wenn man gerade dabei ist den großen Zeh in dieses unbekannte Gewässer zu tauchen. Aufklärung wird hier auf dem Silbertablett serviert (Eine deutsche Übersetzung des Buches scheint nicht vorzuliegen). Absolute Leseempfehlung.


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