Das Buch liegt auf einem weißen, flauschigen Untergrund. Im oberen Drittel des Bildes ist eine graue, flauschige Decke zu sehen. In der rechten, unteren Ecke liegt ein beigefarbenes Kissen mit schwarzer Kursivschrift. Das Cover des Buches ist weiß. In der Mitte sind laufende Kojoten abgebildet in den Farbtönen rosa, schwarz und blau. Der Name der Autorin steht am oberen Rand, der Titel steht in den Kojoten in schwarz und weiß. Links über dem Buch liegt eine Postkarte mit dem Text "L steht für|Lupus|Lux|Luxus|Luna|Luce|luzide|List für Lou". Um das Buch herum liegen rosafarbene, schwarze und blaue Perlen und Schmucksteine.

[Rezension] Erdbebenwetter

Erdbebenwetter – Zaia Alexander

Das Buch liegt auf einem weißen, flauschigen Untergrund. Im oberen Drittel des Bildes ist eine graue, flauschige Decke zu sehen. In der rechten, unteren Ecke liegt ein beigefarbenes Kissen mit schwarzer Kursivschrift. Das Cover des Buches ist weiß. In der Mitte sind laufende Kojoten abgebildet in den Farbtönen rosa, schwarz und blau. Der Name der Autorin steht am oberen Rand, der Titel steht in den Kojoten in schwarz und weiß. Links über dem Buch liegt eine Postkarte mit dem Text

Verlag: Klett-Cotta, Tropen | Seiten: 320
Erschienen: 2020

Kurzbeschreibung: Los Angeles, Hexen und Esoterik

Lous Versuch als Filmproduzentin in Los Angeles Fuß zu fassen, missglückt und ihr Leben gerät aus dem Gleichgewicht. Als sie einem alten Schulfreund begegnet, führt er sie in den Kreis einer Hexergruppe ein. Diese wird angeführt von einem Mann, genannt der Mentor. Nachdem die Hexer Lou in ihre Mitte aufnehmen, schlägt ihr Leben eine unerwartete Richtung ein.


Meine Meinung: Ich habe Fragen!

Einer meiner Profs an der Uni sagte immer: Wenn man nach einem Vortrag oder einer Aufsatz-Lektüre keine Fragen hat, dann hat man nichts gelernt. Und was soll ich sagen? Nach der Lektüre dieses Romans habe ich Fragen, viele Fragen. Vor allem Fragen an mich selbst, weil ich so wenig aus dem Buch mitgenommen habe und mir auch nicht sicher bin, ob ich ihn vollends verstanden habe. Denn dieser Roman hat mich mehr verwirrt als alle Mathe-, Physik- und Chemie-Stunden meiner Schulzeit zusammen.

Der Titel „Erdbebenwetter“ verspricht so viel Potential. Er evoziert eine bedrohliche Atmosphäre, die sich mit einem lauten Knall auflöst. Aber: Es passiert nichts. Die Geschichte um Lou, ihre „Stief-“Tochter und die zugelaufene Katze plätschert so dahin, geht ins Blaue hinein. Die Farbe Blau spielt in dem Roman sowieso eine übergeordnete Rolle. Die Autorin erwähnt die Farbe auf fast jeder Seite mindestens einmal. Die Farbe Blau fasst den inhaltlichen Kern der Geschichte perfekt zusammen: Die Farbe wie auch der Roman stehen für das Unabsehbare, für Unklarheit, für das Unbekannte, für Ziellosigkeit. Der Klappentext spricht von Kojoten, Schießereien, Hexen und Erdbeben; doch mit diesen vier Elementen hat die Handlung rein gar nichts zu tun. Wenn dann nur im angedeuteten, übertragenen Sinne. Sowieso wird in der Geschichte vieles nur angedeutet. Es ist eine Geschichte der Andeutungen, von Vorzeichen, aber es bleibt dabei, die Geschichte bleibt stehen, es kommt nicht zur Erfüllung. Das Potential verpufft in der heißen und stickigen Luft von Los Angeles.

Der Geschichte fehlt es an Klarheit, an einem Rahmen. Mir ist klar, dass es von der Autorin so gewollt ist und, dass der Fokus nicht auf den Ereignissen an sich, sondern an der Art und Weise wie diese erfahren werden, liegt. Und es ist auch vollkommen in Ordnung, wenn eine Geschichte nicht vor Action strotzt. Aber das war mir dann doch wirklich zu wenig, das war nichts – es war unspannend, langweilig und langatmig. Der Roman spiegelt die Ziellosigkeit der Protagonistin eins zu eins wieder.

Für diesen Roman muss man eine bestimmte Sorte Mensch sein. Und ich habe schon nach einigen Kapiteln gemerkt, dass ich nicht diese Art Mensch bin. Und auch das ist vollkommen in Ordnung.

Die Hexer. Die waren seltsam. Fast hatte ich das Gefühl, dass es sich hier um eine Sekte handelt. Es geht hier nicht wirklich um Hexen oder um Magie, wie bei Bibi Blocksberg oder Harry Potter, sondern es geht um Esoterik, um Spiritualität, um Energie, um eine Ausbildung zum Kriegertum. Um jede Menge Geschwafel.

Während der Lektüre ist es mir nicht gelungen, eine Verbindung zu den Figuren aufzubauen, schon gar nicht zu Lou, der Protagonistin. Ähnlich wie die Handlung ist auch Lou sehr verschwommen, undurchsichtig, ziellos in ihrem Tun, Wollen und Denken. Sie war für mich nur in ihrer Merkwürdigkeit greifbar, aber nicht darüber hinaus. Im Zentrum ihres Lebens steht eine seltsame, sich verändernde Mutter-Tochter-Haustier-Konstellation.

„Erdbebenwetter“ erzählt eine Geschichte von nicht fest definierten Rollen, fragt danach, was Identität wirklich ist und sucht nach dem Sinn des Lebens. In diesem Roman verwischen die Grenzen zwischen Realität und Fantasie, zwischen Realismus und Surrealismus. Da ist viel Platz für Interpretationen und Gedankenspiele. Vielleicht zu viel.

Besonders gegen Ende habe ich mich immer wieder dabei erwischt, wie ich die Seiten nur noch überflogen habe. Und wenn ich dann nochmal richtig gelesen habe, habe ich festgestellt, nichts verpasst zu haben. Auch wenn einige gute Ideen in schön klingende Sätze verpackt wurden, hat selbst der Schreibstil an sich nicht viel herausreißen können. Folgende Zitate aus dem Roman beschreiben meine Eindrücke und Leseerfahrungen auf eine sehr treffende Art und Weise:

„Seine Worte gingen an meinem Verstand vorbei.“ (S. 82)

„Energetisch gesehen ähnelst du einem Spiegelkabinett; sieht man einmal hin, bist du so, sieht man wieder hin, bist du anders.“ (S. 83)

„Ich kam nicht dahinter, was diese Geschichte ohne jeglichen Spannungsbogen mit den komplexen Bewegungen, die uns der Mentor an diesem Tag beibrachte, zu tun haben sollte, geschweige denn mit einem von uns.“ (S. 123)

„aber bevor ich ging, löschte ich den Absatz, den ich den ganzen Tag lang im Rhythmus der Schatten geschrieben und wieder umgeschrieben hatte“ (S. 280)


Mein Fazit: Macht einer Schlaftablette Konkurrenz

Leider wirkte das Roman-Debüt „Erdbebenwetter“ von Zaia Alexander wie eine Schlaftablette auf mich. Die Handlung war mir einfach zu undurchsichtig, unspannend und ungreifbar. Ich konnte der Geschichte, den Figuren und der Idee nichts abgewinnen.


Weitere Meinungen zu “Erdbebenwetter” von Zaia Alexander

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.