[Rezension] Samuel. Ein Weg durch Licht und Schatten

 

Titel: Samuel – Ein Weg durch Licht und Schatten
Autorin: Susanne Willeke
Verlag: Novum Verlag
Seiten: 368
Erschienen: 2018
ISBN: 978-3-95840-613-1
Preis: eBook 11,99 €

© Coverabbildung: Novum Verlag

 

 

 

Kurzbeschreibung
Der Engel Samuel, das Menschenmädchen Rika und die Dämonen Yasha und Zif begeben sich auf eine lange Reise. Sie sind auf der Suche nach Recht und Wahrheit. Und während dieser aussichtslos scheinenden Suche, müssen sie so manch Abenteuer bestehen.

Meine Meinung
Susanne Willeke habe ich vor ein paar Monaten zufällig kennengelernt, als wir beide vor dem Büro eines Professors auf den Beginn der Sprechstunde warteten. Wir kamen ins Gespräch und sie verriet mir, dass ihr Roman bald erscheinen würde. Daraufhin sind wir in Kontakt geblieben.

Die Figuren an sich sind gut ausgearbeitet und erscheinen, zwischen den beiden Buchdeckeln, sehr lebendig. Die junge Dämonin Yasha ist mir sehr schnell ans Herz gewachsen. Mit Rika bin ich nicht so wirklich warm geworden, leider. Die Reisegruppe und auch alle anderen Figuren sind facettenreich und nicht einfach gestrickt. Das Beziehungsgeflecht zwischen den Protagonisten und anderen Nebenfiguren fand ich interessant, aber ich konnte nicht immer alle Entwicklungen nachvollziehen. Manchmal schienen sie mir etwas aus der Luft gegriffen. Damit meine ich besonders die Beziehung zwischen Zif und Rika und diejenige von Samuel und seinem Vater. Die Autorin hat aber glücklicherweise auf unnötigen Kitsch und überflüssiges Drama verzichtet. Trotz allem schienen mir die Figuren nicht über den Anfang der Geschichte hinauszuleben. Damit meine ich, dass sie nicht aus ihrem Leben gegriffen schienen und ohne ‚Wurzeln‘ in die laufende Handlung gepflanzt wurden. Dafür sind sie am Ende der Geschichte umso lebendiger und ich konnte mir sehr gut vorstellen, wie sie über die letzte Seite hinaus ihr Leben leben.

Gefallen hat mir ebenfalls, dass der Ursprung der Engel und Dämonen nicht religiös motiviert ist. Trotzdem hätte ich gerne etwas mehr über ihren tatsächlichen Ursprung erfahren, über die Geschichte ihres Volkes und der ganzen Welt. Daher kam mir das Worldbuilding auch irgendwie etwas zu kurz. Außerdem wäre eine Landkarte ein tolles Extra gewesen und hätte mir während der Lektüre die Orientierung sehr erleichtert.

Sprachlich konnte mich die Autorin auf ganzer Linie überzeugen. Der Schreibstil ist sehr realistisch, etwas distanziert und wortgewandt. Sie hat ihren eigenen Schreibstil und verzichtet weitestgehend auf Floskeln. Die Sprechweise der Figuren passt zu ihnen und zu der Welt, in der sie leben.

Mein Vater pflegt zu sagen: Wer reist, der hat etwas zu erzählen. Und da gebe ich ihm vollkommen Recht. Und wie mir scheint die Autorin ebenso. Eine Suche nach Recht und Wahrheit kann sehr facettenreich sein: mal ereignisreich, gelegentlich eintönig, mit einigen Hunger- und Durststrecken (sowohl im übertragenem als auch wörtlichem Sinn). Und dann geht es unerwartet rasant weiter. So ähnlich verlief auch die Handlung des Romans. Leider hatte ich manchmal das Gefühl, dass die Figuren etwas ziel- und planlos durch die Gegend gezogen sind. Das schlug sich auch auf die Erzählung und auf den Spannungsbogen nieder, der dann leider etwas durchhing. Die Ereignisse oder eben auch Nicht-Ereignisse werden teilweise sehr ausufernd und meandernd erzählt. Das hat leider für ein paar Längen gesorgt. Die Tatsache, dass die Kapitel extrem lang sind, verstärkte diesen Eindruck weiter. Eine meandernde Erzählstruktur ist an sich natürlich keine schlechte Erzählung, nur leider keine meiner favorisierten Erzählformen. Aber, sobald die Figuren ein konkretes Ziel vor Augen hatten und sei es noch so klein, wurde es doch wieder spannend. Diese Abschnitte haben mir dann immer sehr gut gefallen.

Doch der Roman erzählt nicht nur die Geschichte einer Reise, sondern auch von der emotionalen Entwicklung der Reisenden. Dies hat die Autorin sehr gut und glaubwürdig umgesetzt. Die äußerem Umstände der Reise machen sich im Inneren der Figuren, in ihrer Gefühlswelt bemerkbar und sie entwickeln sich, sie reifen und wachsen an den widrigen Umständen. Das konnte man sehr schön an Samuel und an Yasha beobachten.

Das Ende und besonders der Abschluss (man könnte fast sagen, die letzte Seite) haben mich entzückt. Ich war ein wenig traurig, dass die Reise mit dieser buntgemischten Truppe ein Ende gefunden hat.

Mein Fazit
Mein Respekt geht raus an die Autorin für dieses beeindruckende und einzigartige Erstlingswerk, dem man durchaus eine Chance geben sollte. Und obwohl ich nicht durchweg gedanklich und emotional an das Buch gefesselt war, gab es trotzdem einige Aspekte, die mir sehr gut gefallen haben. Man begleitet Samuel, Yasha, Rika und Zif auf eine Reise der besonderen Art.

Lieblingszitat
„Nur, weil jemand ein Engel ist, heißt das nicht, dass er rechtschaffen und gut ist, genauso wenig, wie jeder Dämon grausam und böse ist. Das Gute und das Böse gibt es ohnehin nicht, aber ansehen kann man es auf jeden Fall niemandem.“ (Pos. 642)

 

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