Wiebke Schulte

[Rezension] Das rote Adressbuch

Titel: Das rote Adressbuch
Autor: Sofia Lundberg
Übersetzerin: Kerstin Schöps
Verlag: Goldmann Verlag
Seiten: 352
Preis: HC 20€
ISBN: 978-3-442-31499-7
Erschienen: 2018

© Coverabbildung: Goldmann Verlag

 

Kurzbeschreibung
Im Alter von 10 Jahren schenkt Doris Vater ihr ein rotes Adressbuch, in dem sie alle Menschen, denen sie auf ihrem Lebensweg begegnet, verewigen soll. Nun ist Doris bereit ihre letzte Reise anzutreten. Doch zuvor schreibt sie ihre Lebensgeschichte nieder. Das rote Adressbuch weist ihr dabei den Weg.

Meine Meinung
‚Das rote Adressbuch‘ ist ein Frauenroman. Nicht nur von der Aufmachung her, sondern auch vom Inhalt. Und doch habe ich ihn gelesen und er hat mir gefallen. Denn die Art und Weise wie die Geschichte erzählt wird, ist einzigartig und originell. Es ist faszinierend, was man aus einem Alltagsgegenstand wie einem Adressbuch, das heutzutage wahrscheinlich nur noch von wenigen geführt wird, zaubern kann.

[Rezension] Beim Leben meiner Mutter

Titel: Beim Leben meiner Mutter
Autorin: Rowan Coleman
Übersetzerin: Marieke Heimburger
Seiten: 416
Verlag: Piper Verlag
Erschienen: 2017
Preis: PB 16€, TB 10€
ISBN: 978-3-492-06079-0

© Coverabbildung: Piper Verlag

 

Kurzbeschreibung
Kurz nach dem Selbstmord ihrer Mutter Marissa, reisen die Schwestern Luna und Pia nach Brooklyn, dem Geburtsort ihrer Mutter. Dort kommen sie einem dunklen Geheimnis ihrer Mutter auf die Spur, welches Marissa jahrelang quälte und sie schließlich in den Selbstmord trieb. Die beiden Schwestern versuchen alles, um ihre Mutter zu retten. Sie schrecken selbst vor einer Reise in die Vergangenheit nicht zurück, ungeachtet der Konsequenzen.

Meine Meinung
Diesen Roman zu lesen, stellte für mich eine richtige Herausforderung dar. Mehrfach spielte ich mit dem Gedanken, ihn einfach abzubrechen, weil ich ihm fast nichts abgewinnen konnte. Zunächst aber zu den Aspekten, die mir gefallen haben. Das sind genau zwei: Erstens der Schreibstil. Obwohl ich dem Inhalt nicht viel abgewinnen konnte, hat der Schreibstil dafür gesorgt, dass ich dran blieb. Die Autorin drückt sich sehr gewählt und wortgewandt aus. Sie schafft es mit der Erzählweise eine gewisse Spannung aufrechtzuerhalten. Man möchte stets wissen wie es weitergeht, obwohl man es eigentlich schon längst weiß. Der Roman ist gut lesbar und man kommt sehr schnell voran. Der zweite Aspekt, der mir gut gefallen hat, war die bedingungslose Liebe zwischen Luna und ihrer Mutter. Diese emotionale Bindung habe ich der Hauptfigur durchaus abgekauft, auch wenn es stellenweise sehr dick aufgetragen war. Was mich sehr genervt hat, waren ihre ständigen Beteuerungen, dass sie ihre Mutter retten würde – koste es was es wolle. Ok, ja, nach dem zehnten Mal haben es auch die unaufmerksamsten Leser verstanden.

Nun zu dem, was mir nicht gefallen hat. …

[Rezension] Fragmente


Titel: Fragmente
Autor: Emrah Serbes
Übersetzerin: Selma Wels
Verlag: Binooki Verlag
Seiten: 180
Preis: HC 19,90€
ISBN: 978-3-943562-47-7 

© Coverabbildung: Binooki Verlag

 

Kurzbeschreibung
In den Fragmenten versammeln sich Geschichten, Weisheiten, Gedankenspiele und Gefühlsschnipsel, die alle eins gemein haben: Sie stellen das Leben mitsamt seinen Irrungen und Wirrungen in Frage.

Meine Meinung
Mein erster Eindruck bei dieser Sammlung war gemischt. Ich hatte tatsächlich Schwierigkeiten, mich auf den Schreibstil und den Inhalt der Fragmente einzulassen. Das Adjektiv, welches das Buch am besten beschreibt, ist exzentrisch. Es ist ein außergewöhnliches Buch, an das man sich langsam gewöhnen muss. Es hat ein wenig gedauert, bis es bei mir Klick gemacht hat und ich mich darauf einlassen konnte. Aber je häufiger ich nun nach Abschluss der Lektüre durch das Buch blättere, desto mehr gefallen mir die Fragmente von Emrah Serbes.

[Rezension] Heimkehren

Titel: Heimkehren
Autor: Yaa Gyasi
Übersetzerin: Anette Grube
Verlag: Dumon Buchverlag
Seiten: 416
Preis: HC 22€, TB 12€
ISBN: 978-3-8321-6460-7
Erschienen: 2018

© Coverabbildung: Dumon Buchverlag

Kurzbeschreibung
Die Geschichte nimmt ihren Anfang mit zwei Frauen: Effia und Esi – zwei Schwestern, die sich niemals kennenlernten. Ihre Lebenswege kreuzen sich nicht, sondern schlagen höchst unterschiedliche Wege ein. Im Ghana (Afrika) des 18. Jahrhunderts wird Esi als Sklavin in die USA verkauft, während Effia einen britischen Sklavenhändler heiratet. Aus dem Schicksal der zwei Frauen entwickelt sich eine leidvolle Geschichte, die Jahrhunderte, Generationen und Kontinente überspannt.

Meine Meinung
Zwischen den Buchdeckeln spinnt Yaa Gyasi eine außergewöhnliche Geschichte, die eine ungeheure Wirkung entfacht. Zunächst begleitet man Effia und Esi auf ihrem Lebensweg. Daraufhin die nachfolgende Generation und so geht es immer weiter. Insgesamt acht Generationen umspannt der Roman. Die letzte Station ist unsere heutige Zeit. Die Struktur des Romans ist ein lebendiggewordener Stammbaum: bewegt und vielfältig. So etwas habe ich tatsächlich noch nie gelesen.

[Werbung | Plauderecke] Indie-Lesung: Alle meine Freunde

[Werbung | Plauderecke] Indie-Lesung: Alle meine Freunde

Am vergangenen Donnerstag fand im E-Werk in Erlangen die Pilotlesung der Literaturveranstaltung „Alle meine Freunde“ statt. Hinter der Veranstaltung steht der Erlanger unabhängige homunculus Verlag (von dem ich auch zu dieser Veranstaltung eingeladen wurde). Gegründet wurde der Verlag im Jahr 2015 von vier Germanistikstudierenden: Sebastian Frenzel, Laura Jacobi, Joseph F. E. Reinthäler und Philip Krömer. Letzterer war bei der Lesung Moderator und führte Autoren, Musiker und Gäste gekonnt durch den Abend. Diese Pilotlesung, die als Lesereihe angedacht ist, soll die Indie-Literatur nach Erlangen bringen und Leser und Literaturbegeisterte vereinen. In kleiner Runde machten man es sich auf Sofas und Stühlen in der Clubbühne des E-Werks bequem. Ein tierischer Gast war auch dabei. In fast familiärer Atmosphäre lauschte man dem Musiker John Steam Jr., der Autorin Judith Keller, dem Autor Mauran Paschen und dem Moderator Philip Krömer.

[Rezension] Wie ich fälschte, log und Gutes tat

Titel: Wie ich fälschte, log und Gutes tat
Autor: Thomas Klupp
Verlag: Berlin Verlag, Piper Verlag
Seiten: 254
Preis: HC 20€
ISBN: 978-3-8270-1366-8
Erschienen: 2018

© Coverabbildung: Berlin Verlag, Piper Verlag

 

Kurzbeschreibung
Benedikt Jäger ist 16 und nach außen hin der perfekte Musterschüler und Vorzeigesohn. Doch hinter den Kulissen findet ein ganz anderes Leben statt: krasse Parties und schlechte Noten. Allgemein läuft in der Kleinstadt nicht alles so wie es den Anschein hat. Mehr Schein als Sein, ist hier das Motto.

Meine Meinung
Benedikt Jäger ist und tut all das, was ich mir während meiner Schulzeit nicht mal zu träumen wagte. Ich erledigte stets brav meine Hausaufgaben, bereitete mich gewissenhaft auf Klausuren vor und zeigte jede Note, egal wie schlecht sie war, vor. Eins steht fest, Jäger und ich wären keine Freunde geworden. Gerade aus diesem Grund war dieser Roman einfach herrlich und häufig zum Kugeln. Obwohl ich mich ziemlich auf die Schippe genommen fühlte, gefiel mir genau dieser Aspekt des Romans besonders gut. Weiden, Jäger und die anderen Figuren verkörpern unsere Leistungsgesellschaft, sie kritisieren und ziehen sie durch den Kakao. Der Roman ist Gesellschaftskritik in einem interessanten Gewand.

[Rezension] Fremd

Titel: Fremd
Autoren: Ursula Poznanski, Arno Strobel
Verlag: Rowohlt Verlag
Seiten: 393
Preis: 16,99 €
ISBN: 978-3-8052-5084-9
Erschienen: 2015

© Coverabbildung: Rowohlt Verlag

 

Kurzbeschreibung
Als Erik Abends nach Hause kommt, wird er von seiner Verlobten Joanna gewaltsam attackiert. Es stellt sich heraus, dass sie ihn aus ihrem Leben und Kopf gelöscht hat – ohne es zu wissen. Wie kann das sein? Was steckt dahinter?

Meine Meinung
Die Grundidee, die diesem Thriller zugrundliegt, ist genial. Joanna erkennt ihen Verlobten Erik nicht mehr. Erik ist fassungslos und versteht nicht, was passiert ist. Der Leser wird mit einem Wechselbad der Gefühl konfrontiert (Drama baby, Drama!). Die Handlung schreitet wellenartig voran. Momente der Ruhe werden abgelöst von Momenten der Eskalation. Es ist ein Auf und Ab. Man ist hin- und hergerissen. Man regt sich mit den beiden Hauptfiguren auf, wählt eine Seite und im nächsten Moment wechselt man über. Dabei sind beide Figuren alles andere als sympathisch.

[Rezension] Die Königin von Lankwitz

Titel: Die Königin von Lankwitz
Autor: Max Urlacher
Verlag: Ullstein Buchverlage
Seiten: 201
Preis: TB 10 €
ISBN: 978-3-548-29019-5
Erschienen: 2018

© Coverabbildung: Ullstein Buchverlage

 

Kurzbeschreibung
Bea und Irene kommen frisch aus dem Knast und wollen unter keinen Umständen zurück. Um sich ihr Leben zu finanzieren, gründen die beiden Freundinnen eine Ich-AG: Sie helfen Frauen dabei, Rache an den Männern zu nehmen, die das Leben nur unnötig schwer machen. Doch die Konkurrenz lauert schon.

Meine Meinung
Hätte ich vor dem Lesen das K-Orakel konsultiert, hätte ich gewusst, dass dieses Buch nichts für mich ist. Aber wie heißt es so schön? Hinterher ist man immer schlauer. Sowas Trashiges habe ich lange nicht gelesen. Das Buch ist natürlich nicht durch und durch schlecht. Es gibt ein paar Highlights, diese sind allerdings kurzlebig und gehen sehr schnell im Rest der sehr abstrus und verrückt anmutenden Geschichte unter. Zu meinen Highlights zählen: das K-Orakel, Herbert, die zwei Hauptfiguren und der Epilog. Bea und Irene sind zwei Marken, sehr originell gestaltet, durch und durch theatralisch und absolut (un)glaubwürdig.

[Rezension] Regenwörter

Titel: Regenwörter
Autorin: Rose Ausländer
Reihe: Reclams Universal-Bibliothek Nr. 8959
Verlag: Reclam Verlag
Seiten: 115
Preis: 3,40€
ISBN: 978-3-15-008959-0
Erschienen: 1994

© Coverabbildung: Reclam Verlag

Meine Meinung
Ich weiß nicht, weshalb ich zu diesem Gedichtband griff. Womöglich weil ich seit geraumer Zeit in einer Schreibgruppe aktiv schreibe und es gewohnt bin, lyrische Texte zu lesen, zu schreiben und zu hören? Vielleicht auch nur wegen des ausdrucksstarken Titels? Wie dem auch sei, ‚Regenwörter‘ war ein absoluter Glücksgriff.

An Gedichten missfallen mir häufig die Reime. Rose Ausländer hat einen sehr angenehmen und modernen Stil – ohne Reime. Man muss die Gedichte langsam lesen, am besten sollte man sie sich laut vorlesen (lassen). So klingen die Worte und die Emotionen, die sie transportieren, am stärksten. Manche Wörter entfalten ihre Kraft erst, wenn man sie isoliert von anderen liest. Rose Ausländers Sprache ist sehr ausdrucksstark, gelegentlich etwas düster. Die Sprachbilder sind beeindruckend und riefen bei mir eine Gänsehaut hervor. Oft fühlte ich beim Lesen eine unbestimmbare Melancholie, eine Sehnsucht nach dem Leben.

[Plauderecke] Mein neues Projekt

Hallo ihr Lieben!

Ich möchte euch in diesem Beitrag ein neues Projekt vorstellen, welches ich mir in den Kopf gesetzt habe. Viel Spaß!

Während meines Bachelorstudiums habe ich zu gleichen Teilen Kurse in der Sprach-, Kultur- und Literaturwissenschaft belegt. Eine Veranstaltung der Literaturwissenschaften, die bei mir hängen geblieben ist, ist das Seminar ‚Einführung in die Literatur der Romantik‘. Im Rahmen dieses Seminars haben wir uns mit der literarischen Epoche der Romantik auseinandergesetzt und haben im Rahmen dessen Romane und Erzählungen gelesen. Dazu gehörten u. a. E. T. A. Hoffmann: „Der Sandmann“, Ludwig Tieck: „Der blonde Eckbert“, Adalbert von Chamisso: „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“. Die Lektüre dieser Geschichten hat mir schon damals sehr viel Spaß gemacht. Das anschließende Analysieren und Interpretieren zwar nicht sooo sehr, aber das ist jetzt auch eher zweitrangig.

Genauso verhielt es sich auch an der Schule mit den Pflichtlektüren. „Die Buddenbrooks“ von Thomas Mann habe ich genauso gern gelesen wie „Twilight“ zu der Zeit. Wie das zu werten ist, keine Ahnung. Ich möchte mich damit auch nicht profilieren oder besondere Anerkennung erhalten. Ich bin im Grunde ein sehr neugieriger und wissbegieriger Mensch. Und in Bezug auf Bücher war ich das schon eh und je. Deswegen starte ich das Projekt ‚Meine Universal-Bibliothek‘.

Ich habe lange hin und her überlegt (inspiriert wurde ich auch von Timos aka Rainbookworlds ‚Klassikmontag‘). Nun steht der Entschluss fest. Ich möchte zurück zu dieser Art Literatur: den Klassikern der Deutschen Literatur. Als guten Vorsatz, nicht zum neuen Jahr, sondern ab jetzt, nehme ich mir vor 1-2 Texte der Deutschen Literatur im Monat zu lesen. Dabei behilflich wird mir das Reclam Gesamtverzeichnis und die Universal-Bibliothek (ebenfalls von Reclam) sein. Es ist nicht nur eine Aktion oder eine Langzeit-Challenge, sondern viel mehr, nämlich ein Lebensprojekt. Denn die Universal-Bibliothek umfasst in etwa 3000 Titel. Ich sage ja, ein Lebensprojekt. Bei diesem Projekt handelt es sich nicht um eine Kooperation mit dem Reclam Verlag oder um Werbung o. ä.

Falls euch dieses Projekt interessiert, könnt ihr es gerne auf meinem Blog und meinen sonstigen Kanälen verfolgen. Es gibt eine Projektseite, auf der ich die bisher gelesenen Texte aufliste und mit Links zu den entsprechenden Rezensionen versehen werde. Ich würde mich freuen, mich über die Texte mit euch auszutauschen. Und wer weiß, vielleicht findet der ein oder die andere eine Geschichte, die er oder sie selbst gerne mal lesen möchte. Oder wer weißt, vielleicht habt ihr ja sogar Lust mitzumachen?

Der erste Text, den ich lese, ist ‚Regenwörter‘ von Rose Ausländer.

Falls ich euch dazu animieren konnte mitzumachen, dann schreibt es mir doch in die Kommentare.

Eure Wiebke