Das Buch steht auf einem Baumstumpf. Vor dem Buch liegt ein schwarz-grauer Stein. Im Hintergrund sieht man eine Wise, Bäume und Büsche.

[Rezension] Die Toten von Inverness (Monica Kennedy Bd. 1)

G.R. Halliday – Die Toten von Inverness

Das Buch steht auf einem Baumstumpf. Vor dem Buch liegt ein schwarz-grauer Stein. Im Hintergrund sieht man eine Wise, Bäume und Büsche.

Verlag: Blanvalet | Seiten: 544
Originaltitel: From the Shadows (Monica 1) | Übersetzer*in: Bettina Spangler
Erscheinungsjahr: 2020

Kurzbeschreibung

Die Leiche des 16-jährigen Jungen Robert wird in den schottischen Highlands gefunden. Der Körper ist auf eine grausame Weise entstellt, sorgfältig drapiert und im Rachen des Jungen wurde ein schwarzer Stein platziert. DI Kennedy ist überzeugt davon, dass Robert nicht das erste und auch nicht das letzte Opfer des Mörders war…


Meine Meinung

Für mich war „Die Toten von Inverness“ leider kein spektakulärer Reihen-Auftakt, sondern ein spektakulärer Reinfall.

Zugegeben: Die Morde, ihre erzählerische Umsetzung gepaart mit dem launigen, herbstlich-düsteren, bedrohlichen Setting der schottischen Highlands sind dem Autor wirklich gut gelungen. Hatte ich Sorge beim nächsten Umblättern eine Brise Weihrauch in die Nase zu bekommen, so wie die Mordopfer? Ja! Die Kapitel aus der Perspektive des „Beobachters“ haben bei mir Gänsehaut verursacht und waren auf die richtige Art und Weise unangenehm. Daher war ich sehr gespannt auf die Detektivarbeit und auf die Auflösung des Falls. Beides war weder sonderlich überzeugend noch beeindruckend. Am Schluss hat man das Gefühl, dass alles umsonst war, weil es keine richtige Aufklärung gibt.

Die Detective Inspector (DI) Monica Kennedy hat mich als Figur auch ziemlich enttäuscht. Nicht nur, weil ich einfach keinen Zugang zu ihr gefunden habe, sondern einfach weil da auch nicht viel war, wozu man Zugang hätte finden können. Während der gesamten Geschichte wird sie auf ihre Körpergröße reduziert, was bei einer „1,80m-Hünin“ wie ein Widerspruch wirkt. Ihre Körpergröße und die damit begleitenden Adjektive (respekteinflößend, riesig) werden so oft wiederholt, ohne aber irgendwelche Konsequenzen in ihrem Denken und ihrem Handeln zu haben. Ich hatte das Gefühl, es sollte einfach ein Gimmick sein, das sie interessant machen soll und über ihr Frau-Sein hinwegtäuschen soll. Es kommt noch hinzu, dass sie während der plus/minus einwöchigen Handlungszeit nicht schläft, nicht trinkt, nicht duscht – alles klar! Auch der Umgang mit ihrer Tochter, die mir mehr ein Mittel zum Zweck erschien, war plump, platt und halbherzig. Die Zerrissenheit, die die DI angeblich spürt, zwischen ihrem Job und ihrer Familie habe ich ihr nicht abgekauft. Manchmal beschlich mich das Gefühl, dass die Figur der DI ursprünglich als Mann geschrieben wurde und dann schnell, schnell, schnell und nicht sonderlich glaubwürdig zu einer Frau umgeschrieben wurde.

Neben der DI gibt es noch den Sozialarbeiter Michael Bach und von ihm wird die eigentliche Detektivarbeit übernommen. Sein Klient ist verschwunden und womöglich dem Täter zum Opfer gefallen. Michael ist ein wandelndes Klischee (der abgebrannte, zynische, vom Leben gebeutelte und einsame Mann) und er füllt die Kommissar-Rolle viel besser. Ermittler im Kostüm eines Sozialarbeiters. Und manchmal habe ich mich gefragt, ob nicht Monica ursprünglich die Sozialarbeiterin hätte sein sollen und Michael der Ermittler… müßige Überlegungen. Ach ja, und dann gab es noch Monicas Kollegen DC Connor Crawford, aber diese Figur kam mir noch viel unbedeutender vor.

Weder Michael noch Monica konnten mein Interesse so wirklich halten und dass sich der Roman auch noch so sehr in die Länge gezogen hat, war der Sache auch nicht wirklich zuträglich. Es hätten echt 100-150 Seiten weniger sein können. Ich musste mich teilweise zwingen, den Roman in die Hand zu nehmen und weiterzulesen. Die kurzen Kapitel waren daher wirklich ein Segen. Die Handlung nimmt zwar auf den letzten 100 Seiten wieder Fahrt auf, wird deswegen aber auch sehr verwirrend und wirkt überhastet.

Das Ende und die Auflösung waren nach dem ewigen Mittelteil frustrierend und enttäuschend. Denn eine richtige Auflösung im klassischen Sinne gibt es nicht. Das Warum der Morde steht für mich weiterhin in den Sternen… Eine wirkliche Auseinandersetzung mit dem Mörder gab es nicht. Will der Autor damit die Sinnlosigkeit der Morde betonen oder warum musste ich so viel Grausamkeit, Brutalität und Folterszenen ertragen? Wenigstens hatte ich bis kurz vor Schluss keinen Schimmer davon, wer hinter den Morden steckt. So blieb es wenigstens etwas spannend. Stellt euch vor, ihr wisst wer der Mörder ist, wollt das Motive erfahren und puff, nichts?

Es gibt noch einige offene Fragen und einige Handlungspunkte wurde in diesem Band nur eingeführt, um sie dann in der Reihe fortzuführen. Ich werde nicht erfahren, wie sich diese Punkte weiterentwickeln, da ich die Reihe nicht weiter verfolgen werde.


Mein Fazit

Dieser Kriminalroman „Die Toten von Inverness“ von G.R. Halliday hatte Potenzial, das irgendwo in der Wüste der schottischen Highlands vergraben und vergessen wurde. Interessanter Plot, schwache Figuren, enttäuschende Auflösung.


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