[Rezension] Kalt wie Schnee, hart wie Eisen

Kalt wie Schnee, hart wie Eisen – Jenny-Mai Nuyen

Verlag: cbj Jugendbuch | Seiten: 400
Erschienen: 2021

Kurzbeschreibung: Girls just wanna be unabhängig

Als sie sechs Jahre alt ist, wird Prinzessin Kanemô von ihrem Vater in ein Kloster verbannt, wo sie in ständiger Sehnsucht nach ihrem Zuhause, besonders nach ihrer Mutter, aufwächst. Als ihr Vater Jahre später im Verlauf einer Rebellion, die das Reich erschüttert, ermordet wird, soll Kanemô den Rebellenführer Heganen heiraten. Doch Kanemô ist nicht bereit sich erneut in die Abhängigkeit eines Mannes zu begeben, weshalb sie mit einer Zwergenhexe einen Zauberpakt schließt: Ihr Herz im Tausch gegen Macht über Heganen und über ihr Erbe.


Meine Meinung: Anders als erwartet

Jenny-Mai Nuyen gehört zu den Fantasyautor*innen auf die eigentlich Verlass ist. Ich schreibe „eigentlich“, denn mit diesem Roman ist sie meinen Erwartungen leider nicht ganz gerecht geworden. Der Roman hat zwar alles zu bieten, was das Fantasy-Herz begehrt – Elfen, Zwerge, Hexerei, magische Wesen – aber vollständig überzeugen konnte er mich nicht. Zugegeben: Es war ein spannendes Lesevergnügen, denn ich habe den Roman innerhalb weniger Stunden verschlungen. Aber 400 Seiten sind für einen Fantasy-Roman sehr überschaubar (und dann auch noch als Einzelband) und genau das spiegelt sich inhaltlich wie figurentechnisch in diesem Roman wieder. Die Autorin hält sich nicht wirklich lang mit Figurenbeschreibungen oder World-Building auf – leider.

Die Handlung an sich und die Art und Weise wie die Figuren handeln, stehen im Vordergrund – die Autorin lässt Taten, nicht Worte sprechen. Daher ist das Handlungstempo auch sehr hoch. Es passiert sehr viel und es gibt einige überraschende Wendungen, gelegentlich fühlt man sich ein wenig gehetzt und auch die zeitlichen Übergänge von einer Szene zur nächsten wirken gelegentlich ein wenig abrupt und gestelzt. Ein bisschen Romantik kommt auch vor, aber in einer ausgewogenen und erträglichen Menge.

Der Mangel an tiefgehenden Beschreibungen und fehlendem World-Building macht sich vor allem bei den Figuren bemerkbar. Die Anzahl der wichtigen Figuren ist übersichtlich. Dennoch hätte ich hier und da ein bisschen mehr über sie erfahren. Es schien als würden sie nur innerhalb dieser Geschichte leben und nicht darüber hinaus. Die Figuren werden durch ihre Taten charakterisiert, aber man erhält nur sehr wenige Einblicke in ihre Gefühls- und Gedankenwelt. Und wenn dann nur sehr oberflächlich – das finde ich sehr schade.

Besonders was die Motivation der Figuren betrifft, fühle ich mich auch nach der Lektüre ein wenig im Dunklen gelassen. Dieses Gefühl wurde auch durch das sehr offene Ende und einiger loser Fäden noch verstärkt. Die Auflösung hat mir zwar gut gefallen, auch wenn es mir ein bisschen zu „einfach“ erschien und zu sehr nach Friede-Freude-Eierkuchen duftete.

Auch was das World-Building angeht, hätte ich mir einfach ein paar mehr Zusammenhänge gewünscht. Die Welt erschien mir sehr klein und schemenhaft. Wie schon die Figuren ist auch die Welt in der sie agieren, nur ein blasser Schatten ihrer grenzenlosen Möglichkeiten. Ich habe beim Lesen kein Gefühl für die Welt und für ihre Bewohnenden bekommen. Ich habe mich nicht als Teil dieser Welt gefühlt, sondern eher wie eine Zuschauerin, die auf eine Bühne blickt, auf der bunte Kulissen in schwarzen Schatten verschwinden. Vielleicht ist die mangelnde Tiefe auch der Tatsache geschuldet, dass es sich um einen Jugendroman handelt. Denn dass die Autorin es auch anders kann, vor allem, dass sie starkes Fantasy in Einzelbände verpacken kann, beweist sie in ihren Romanen „Die Töchter von Ilian“ oder „Das Zeitalter der Drachen“ (beide Romane weisen einen sehr viel erwachseneren Ton vor).


Mein Fazit: Eine Empfehlung wert

„Kalt wie Schnee, hart wie Eisen“ ist ein Fantasy-Roman für Zwischendurch. Der Roman wartet mit einer spannenden Handlung und starken Charakteren auf. Trotz einiger Kritikpunkte kann ich den Roman weiterempfehlen: Kopfkino vorprogrammiert.


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