Das Buch liegt auf einem Felsen mit Meerblick

[Rezension] Morden under solen: Ett fall på Capri (Band 1)

Ett fall på Capri – Anders & Anette de la Motte

Das Buch liegt auf einem Felsen mit Meerblick

Verlag: Bokförlaget Forum | Seiten: 447
Erscheinungsjahr: 2024

Kurzbeschreibung

Zusammen mit einer schwedischen Reisegruppe verbringt der verwitwete Geschichtslehrer Hugo Lind eine Kulturreise auf der italienischen Insel Capri. Die Reise wird von der Agentur Belmonte Travels durchgeführt und betreut durch die charmante Reiseführerin Lara. Trotz einiger Startschwierigkeiten genießen die Reisenden ihren Urlaub auf der Insel: Zwischen leckerem Essen, guter Gesellschaft und atemberaubenden Aussichten. Doch bedrohliche Omen kündigen ein Unglück an, und als eine Person unterhalb der berühmt-berüchtigten Klippen vom Salto di Tiberio tot im Wasser treibend gefunden wird, scheinen alle Mitreisenden etwas zu verbergen…


Meine Meinung

Eine bessere Sommerlektüre hätte ich bei meinen Streifzügen durch Göteborgs Buchhandlungen gar nicht finden können. Ein schwedischer Krimi, der in Italien spielt – das Beste aus beiden Welten, wie man so schön sagt.

„Ett fall på Capri” ist ein typischer Whodunit-Krimi (von denen ich bisher kaum welche gelesen habe): Eine schwedische Reisegruppe sieht sich auf der italienischen Insel Capri einem mysteriösen Todesfall konfrontiert und aus Sicht der Amateurdetektive Lara und Hugo, die es einfach nicht schaffen, sich herauszuhalten, erscheinen alle verdächtig – trotz ihrer Alibis. Die Lösung des Falls, gefunden durch Beobachtung, Deduktion und logisches Denken, ist die Krönung dieser Geschichte.

Der Schauplatz Capri wird mit viel Liebe zum Detail beschrieben, verkommt aber nicht zu einem stereotypischen Spielplatz. Ob das Autor*innen-Duo wohl selbst ein paar Reisen dorthin unternommen haben? Der Schluss liegt nahe. Die Autor*innen haben den italienischen Charme, seine Klischees, das Essen, die Atmosphäre und die Wunder der Sehenswürdigkeiten gekonnt eingefangen und zu Papier gebracht. Es kommt einem Bilderbuch-Italien gleich, das mich an meine Kindheit dort und an die zahlreichen Besuche auf Capri, Ischia und Procida erinnert hat. Den Krimi auf Capri zu lesen und sich auf die Spuren der Reisegruppe zu begeben, macht bestimmt eine Menge Spaß.

Der begrenzte Personenkreis, bestehend aus der Reisegruppe und einigen anderer, besonderer Insulaner, war gut durchmischt, ausgewogen und sorgte für einen interessanten Austausch. Die Figuren sind alle recht nahbar und werden lebendig erzählt. Hugo kam mir ein bisschen sehr unbeholfen vor für einen erwachsenen Mann in seinen Sechzigern, fast wie ein Hundewelpe. Einerseits verständlich, weil er Witwer ist, aber andererseits, auch ein bisschen anstrengend. Durch seine Unbeholfenheit wird klar, wie sehr seine Frau seinen Alltag gemanaged haben muss. Wenn selbst der Einkauf neuer Kleidung zu einer seitenlangen Herausforderung wird. Dennoch macht er im Laufe des Urlaubs eine charakterliche Entwicklung durch, die schon zu Beginn angedeutet wird und recht glaubhaft umgesetzt wird. Die Beziehung zwischen Hugo und Lara fand ich, trotz ihrer Vorhersehbarkeit, herzerwärmend und liebenswürdig.

Der Aufbau des Whodunit hat mir gut gefallen, und es war für mich mal etwas Neues. Dieses zweigleisige Hinführen zur Tat und zur Auflösung hat mich wirklich an der Stange gehalten. Dass es ein Todesopfer gibt, erfährt man direkt auf den ersten Seiten, doch bis zum eigentlichen Unglück muss man geduldig sein. Im Laufe des Krimis werden viele Verdachtsmomente gesät und falsche Fährten gelegt. Durch dieses Versteckspiel hindurchzusehen, hat wirklich Spaß gemacht.

Die Beobachtungen der Amateurdetektive motivieren, nach Hinweisen und Indizien zu suchen; man knobelt mit, springt von einem Verdächtigen zum nächsten und wieder zurück. Ich hatte am Ende sogar fast den richtigen Riecher! Und dafür, dass es meine erste schwedische Lektüre für Erwachsene war (habe bisher nur Kinder- oder Jugendbücher gelesen), habe ich den Fall echt gut gemeistert.

Der Krimi sorgt für gute Unterhaltung, auch wenn Geduld gefragt ist. Der Mittelteil zog sich, trotz Kulinarik und Kultur, etwas in die Länge; erst im letzten Drittel des Buches wird es so richtig ernst. Der tatsächliche Mordkomplott war mitreißend und die Auflösung spannend beschrieben. Die Einmischung der Amateurdetektive in die Verhöre fand ich recht amüsant, aber auch etwas überzogen. Aber so ist das wohl, wenn man als Amateurdetektivin auch als Dolmetscherin tätig ist; da kann man dann schon etwas raffiniertere und gerissenere Fragen stellen, als der leitende Kommissar. Da muss man mal ein Auge zudrücken.


Mein Fazit

„Mord under solen: Ett fall på Capri” von Anders & Anette de la Motte ist eine gemütliche Sommerlektüre, mit einem Fall, der von einem sympathischen Duo gelöst wird und bei dem es einen unter der warmen Sommersonne schaudern lässt. Wenn ich den Krimi in einem Wort beschreiben müsste, würde ich sagen: charmant. Ich bin gespannt, welche Komplotte und Intrigen in den Folgebänden der Reihe auf mich warten!


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