[Rezension] Wenn das noch geht kann es nicht so schlimm sein

Wenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein – Benjamin Maack

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Verlag: Suhrkamp Verlag | Seiten: 333
Erschienen: 2020

Kurzbeschreibung
„Ich bin das Montagsmodell einer Menschenattrappe und habe aufgehört, zu funktionieren.“ – Benjamin Maack berichtet von seinen schweren Depressionen und seinem erneuten Aufenthalt in der Psychiatrie. Er erzählt vom Klinik“alltag“, von Medikamenten, von Therapiesitzungen, von Selbstmordgedanken. Er schildert Verzweiflung, Angst, Selbsthass, aber auch Hoffnung.


Meine Meinung
„Wenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein“ ist eines dieser Bücher, welches man unmöglich mit einer Sternebewertung versehen kann. Es ist so privat, so persönlich – fast wie ein Tagebuch. Dafür gibt es keine Bewertungsskala. Wer also nach einem „spannenden“ Roman sucht, ist hier an der falschen Adresse. Ohne jeden Zweifel, dieses Buch ist wichtig, aber auch schmerzhaft, denn der Autor Benjamin Maack geht darin offen mit seinen schweren Depressionen um: dem Stigma zum Trotz. In einer Gesellschaft, die auf Leistung fixiert ist, haben Menschen, die aufgehört haben zu „funktionieren“, einen schweren Stand. Das geht aus seinen Erzählungen, Schilderungen und Gedankenfetzen sehr deutlich hervor.

Benjamin Maack enttabuisiert, er bricht das Schweigen rund um seine seelische/psychische Gesundheit. Er spricht ehrlich über die Auswirkungen seiner Krankheit (auf sich selbst, sein Familien-, sein Berufs- und Autorenleben und auch auf seine Freundschaften). Er erzählt von seinem wiederholten Aufenthalt in der Psychiatrie, von Medikamenteneinnahme und -dosierung, von Selbstmordgedanken. Voller Angst, voller Verzweiflung, aber auch hoffnungsvoll und manchmal auch mit einem sehr schrägen und skurrilen Humor. Der Autor führt den Leser/die Leserin durch die Hölle, aber auch wieder heraus. Er ist achtsam, wendet sich direkt an den Leser/die Leserin und bittet ihn/sie, auf sich aufzupassen. Trotz dieser Distanz und Rücksichtnahme, bleibt es ein sehr intensives Leseerlebnis.

Der Schreibstil ist bildgewaltig, düster, melancholisch, metaphorisch und beklemmend. Aber auch unglaublich nüchtern und realistisch. Vor allem die bereits erwähnten Selbstmordgedanken sind nicht ohne. Die haben mich wirklich mitgenommen und ich musste beim Lesen eine kleine Pause einlegen. Sowieso ist dieses Buch keine Lektüre für Zwischendurch und schon gar keine Wohlfühl-Lektüre. Obwohl die Kapitel sehr kurz gehalten sind, sind sie so voller Emotionen und Gedanken, dass ich das Buch nicht in einer Sitzung runterlesen konnte. Ich musste das Geschriebene erst richtig aufnehmen und verdauen. Das Buch erfordert ein bewusstes Lesen und daher auch viel Zeit.

Neben den inhaltlich und emotional gehaltvollen Seiten, stehen auch leere Kapitel oder nur mit Buchstaben, mit einem Wort oder Satz-/Gedankenfetzen gefüllte Seiten. Diese augenscheinlich nichtssagenden Seiten sind sehr wohl aussagekräftig. Denn Schweigen, Leere, Wortlosigkeit oder die Unmöglichkeit den Wort-, Gedanken- oder Gefühlsüberfluss in Worte zu fassen, haben ihre ganz eigenen Bedeutungen. Auf diese Weise zeigt der Autor welche weitreichenden und „facettenreichen“ Formen seine Depressionen annehmen.

Beim Lesen ist mir immer wieder klar geworden, dass ich nicht/niemals in der Haut des Autors stecken möchte. Das, was er fühlt und durchmacht, kann man als gesunder Mensch nicht nachempfinden. Aber man kann versuchen, zu verstehen und zu lernen; und genau dabei hilft dieses Buch. Benjamin Maack ist ein außergewöhnlicher und mutiger Autor, von dem ich noch sehr viel mehr lesen möchte.


Mein Fazit
„Wenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein“ ist ein wichtiges, aber auch schwieriges Buch. Die Schilderungen des Autors haben mich vielfach berührt und entsetzt. Benjamin Maack führt den Leser durch die Hölle, aber auch wieder heraus. Dennoch rate ich vorbelasteten Lesern davon ab, das Buch zu lesen (vor allem wegen der sehr ausführlichen Selbstmordgedanken).


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