[Rezension] Beim Leben meiner Mutter

Titel: Beim Leben meiner Mutter
Autorin: Rowan Coleman
Übersetzerin: Marieke Heimburger
Seiten: 416
Verlag: Piper Verlag
Erschienen: 2017
Preis: PB 16€, TB 10€
ISBN: 978-3-492-06079-0

© Coverabbildung: Piper Verlag

 

Kurzbeschreibung
Kurz nach dem Selbstmord ihrer Mutter Marissa, reisen die Schwestern Luna und Pia nach Brooklyn, dem Geburtsort ihrer Mutter. Dort kommen sie einem dunklen Geheimnis ihrer Mutter auf die Spur, welches Marissa jahrelang quälte und sie schließlich in den Selbstmord trieb. Die beiden Schwestern versuchen alles, um ihre Mutter zu retten. Sie schrecken selbst vor einer Reise in die Vergangenheit nicht zurück, ungeachtet der Konsequenzen.

Meine Meinung
Diesen Roman zu lesen, stellte für mich eine richtige Herausforderung dar. Mehrfach spielte ich mit dem Gedanken, ihn einfach abzubrechen, weil ich ihm fast nichts abgewinnen konnte. Zunächst aber zu den Aspekten, die mir gefallen haben. Das sind genau zwei: Erstens der Schreibstil. Obwohl ich dem Inhalt nicht viel abgewinnen konnte, hat der Schreibstil dafür gesorgt, dass ich dran blieb. Die Autorin drückt sich sehr gewählt und wortgewandt aus. Sie schafft es mit der Erzählweise eine gewisse Spannung aufrechtzuerhalten. Man möchte stets wissen wie es weitergeht, obwohl man es eigentlich schon längst weiß. Der Roman ist gut lesbar und man kommt sehr schnell voran. Der zweite Aspekt, der mir gut gefallen hat, war die bedingungslose Liebe zwischen Luna und ihrer Mutter. Diese emotionale Bindung habe ich der Hauptfigur durchaus abgekauft, auch wenn es stellenweise sehr dick aufgetragen war. Was mich sehr genervt hat, waren ihre ständigen Beteuerungen, dass sie ihre Mutter retten würde – koste es was es wolle. Ok, ja, nach dem zehnten Mal haben es auch die unaufmerksamsten Leser verstanden.

Nun zu dem, was mir nicht gefallen hat. Das Setting. Ich hatte leider nicht das Gefühl, in Bay Ridge zu sein. Weder in der Gegenwart noch in der Vergangenheit. Das Setting war so allgemein und vage gehalten, dass sich die Ereignisse überall hätten zutragen können.

Die Prämissen des Romans (Familiengeheimnis, Zeitreisen) sind vielversprechend, wären da nicht der Kitsch, die Klischees und die langweiligen Figuren sowie der mehr als unnötige Plottwist am Ende. Ach ja, und das Ende an sich? Total erzwungen. Aber der Reihe nach.

Fangen wir mit Pia, Lunas Schwester, an. Es kam mir so vor als hätte die Autorin, diese Figur nur eingebaut, um die Hauptfigur stärker hervorzuheben. Die Geschichte hätte sehr gut ohne Pia funktioniert und eigentlich handelt Pia auch so gut wie gar nicht. Auch der Gegensatz zwischen erfolgreicher und erfolgloser Schwester, ist unnötig und klischeehaft. Ähnlich verhält es sich mit Brian, Lunas verflossener Liebschaft. Der kommt im Roman vor, weil?

Luna war mir auch sehr sehr unsympathisch. Sie kam mir nicht vor wie Ende 20, sondern eher wie Anfang 20. Dann noch ihre falsche Bescheidenheit und ihr ständiger, krampfhafter Versuch ein Mauerblümchen zu sein und bloß keine Aufmerksamkeit zu erregen. Puh… Dann ihr Beruf: Physikerin. Warum wird darauf rumgeritten? Ich meine klar, im Zusammenhang mit den Zeitreisen ergibt das Sinn. Nur haben die Zeitreisen, wie sie im Roman vorkommen, nichts mit Physik zu tun, sondern sind eher spiritueller Natur. Als Physikerin nimmt sie die Ereignisse und die daraus resultierenden Konsequenzen ganz schön unaufgeregt zur Kenntnis. Und jedem, der ihr mit Spiritualität kommt, fährt sie über den Mund und betont, dass sie Physikerin sei (Die Szene mit dem Medium war auch irgendwie, naja. Unnötig). Ja und? Das betrifft die Handlung und ihr Verhalten weil? Hätte sie es nicht so dermaßen betont, wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass Luna Physikerin ist. Und was sollte eigentlich diese Liebesbeziehung? So kitschig und überladen. Musste ja leider sein.

Der Plottwist am Ende hat so viele Dinge, die vorher im Roman geschehen sind, unnötig gemacht. Noch dazu war der Plottwist dann gar nicht so verdreht, sondern ziemlich offensichtlich, was den ganzen Roman noch vorhersehbarer gemacht hat. Und dann das Ende. Ich frage mich immer noch warum. Es ist leider so unrealistisch und total erzwungen. Ich dachte immer, das Leben sei kein Wunschkonzert. Aber dieses Buch belehrt mich eines Besseren. Hm. Eigentlich hat mir das Ende nur bewiesen, dass das Thema Zeitreisen nicht ernst genommen wurde und einfach nur ein Element war, um den Roman interessanter zu gestalten und ihn von der Masse der Liebesromane mit Familiendrama abzuheben.

Insgesamt ist die Handlung sehr dramatisch, aufgebauscht und kitschig. Mich konnte der Roman nicht überzeugen. Mich hat zudem noch der Titel gestört: ‚Beim Leben meiner Mutter‘ erinnert sehr stark an den Titel ‚Beim Leben meiner Schwester‘ von Jodi Picoult. Der Unterschied zwischen den Büchern könnte nicht größer sein! Vor allem hinsichtlich des Endes. Möglicherweise hatte ich einfach zu hohe Erwartungen.

Mein Fazit
Dieser Roman bietet Stoff für einen Hollywood-Liebesfilm, wie er im Buche steht. Für Leser der ganz großen Gefühle genau das Richtige. Für mich leider nicht.

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