[Rezension] Fragmente


Titel: Fragmente
Autor: Emrah Serbes
Übersetzerin: Selma Wels
Verlag: Binooki Verlag
Seiten: 180
Preis: HC 19,90€
ISBN: 978-3-943562-47-7 

© Coverabbildung: Binooki Verlag

 

Kurzbeschreibung
In den Fragmenten versammeln sich Geschichten, Weisheiten, Gedankenspiele und Gefühlsschnipsel, die alle eins gemein haben: Sie stellen das Leben mitsamt seinen Irrungen und Wirrungen in Frage.

Meine Meinung
Mein erster Eindruck bei dieser Sammlung war gemischt. Ich hatte tatsächlich Schwierigkeiten, mich auf den Schreibstil und den Inhalt der Fragmente einzulassen. Das Adjektiv, welches das Buch am besten beschreibt, ist exzentrisch. Es ist ein außergewöhnliches Buch, an das man sich langsam gewöhnen muss. Es hat ein wenig gedauert, bis es bei mir Klick gemacht hat und ich mich darauf einlassen konnte. Aber je häufiger ich nun nach Abschluss der Lektüre durch das Buch blättere, desto mehr gefallen mir die Fragmente von Emrah Serbes.

Das Buch teilt sich in zwei Teile auf: die Fragmente und Galip İşhani, einer krass verdrehten und außergewöhnlichen Liebes- und Lebensgeschichte. Die Fragmente sind Gedankenspiele und Gefühlsschnipsel, die einen Einblick in den Schreib- und Denkprozess sowie in den Alltag des Autors ermöglichen. Es sind mal längere Texte, mal auch nur ein paar Sätze oder lediglich eine Lebensweisheit. Die Fragmente strahlen eine unbestimmte Aura aus: sie sind poetisch, philosophisch, politisch und undurchsichtig. Sie sind verworren, wie das Leben und die Gedanken eines Menschen.

Um ehrlich zu sein, habe ich nicht immer verstanden, was der Autor mit seinen Texten ausdrücken möchte. Es scheint eines dieser Bücher zu sein, die man mit fortschreitendem Alter und Erfahrungsschatz besser versteht. In den Fragmenten geht es um Wahrheiten, Schicksalsschläge, um das Leben und den Tod, um die Liebe und andere Beziehungen. Es geht um Alltägliches und nicht so Alltägliches; es geht um die Gesellschaft, um Traditionen und um Politik. Die Bruchstücke folgen keinem erkennbaren Muster. Die Fragmente scheinen die Last des Lebens zu tragen. Der Ton ist melancholisch, lebensschwer, geistreich, weltklug und bildlich. Ergänzt werden die Fragmente um Schwarz-Weiß-Fotografien des Fotografen Ümit Bekta (die auf dem Kindle überhaupt nicht richtig zur Geltung kommen).

Der zweite Teil, Galip İşhani, erzählt von einer blutigen Liebesgeschichte. Die Geschichte und ihre Bedeutung haben mich sehr beeindruckt. Die Geschichte und ihre Figuren sind tragisch, hoffnungslos und tiefgründig. Rätselhaft wie das Leben selbst.

Insgesamt regt das Buch zum Nachdenken an. Ich habe noch nie so viel geballte Lebenserfahrung zwischen zwei Buchdeckeln erlebt, und das auf 180 Seiten wohlgemerkt. Es ist ein Buch, das zum Blättern einlädt (blöd, wenn man es auf dem Kindle hat). Die Lektüre hat mich mit einem unbestimmten Gefühl der Unruhe, der Hilflosigkeit zurückgelassen. Vielleicht habe ich einen literarischen Kulturschock erlitten? Emrah Serbes wirft mit seinen Fragmenten einen interessanten Blick auf das Leben und erlaubt nur einen Schluss: Man kommt eh nicht lebend raus.

Mein Fazit
‚Fragmente‘ von Emrah Serbes ist ein Buch, das auf mich Eindruck gemacht hat, sowohl negativ als auch positiv. Es wirkte zunächst etwas befremdlich und unzugänglich. Es hat gedauert, bis ich damit warm geworden bin. Es ist ein außergewöhnliches und zeitloses Buch. Man muss sich Zeit für die Lektüre nehmen, entschleunigen und offen sein, um zu verstehen und nachdenken zu können.

Ich bedanke mich herzlich bei Frau Hemingway (aka Janine) für diese Buchempfehlung.

2 Kommentare zu „[Rezension] Fragmente“

    1. Selbstverständlich! 🙂 Es hat zwar ein bisschen gedauert, bis ich es in die Hand nahm, aber jetzt bin ich froh, dass ich es gelesen habe! Danke <3

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