[Rezension] Das Labyrinth des Fauns

Das Labyrinth des Fauns – Cornelia Funke & Guillermo del Toro

Originaltitel: Pan’s Labyrinth: The Labyrinth of the Faun | Übersetzer: Tobias Schnettler
Verlag: Fischer | Seiten: 318
Preis: 20€ | ISBN: 978-3-7373-5666-4
Erschienen: 2019

Kurzbeschreibung
Spanien, 1944: Der spanische Bürgerkrieg zwischen der demokratischen Regierung und der rechtsgerichteten Putschisten unter Franco ist vorbei, doch noch immer halten sich untergetauchte Widerstandskämpfer in den Bergen auf. Ofelia und ihre hochschwangere Mutter ziehen zu ihrem Stiefvater, einem Hauptmann Francos in die Berge, wo dieser gegen Widerstandskämpfer mit aller Härte vorgeht. Um vor den Schrecken des Krieges zu flüchten, begibt sich Ofelia auf eine düstere und gefährliche Reise in eine fantastische und geheimnisvolle Welt, voller Schrecken und Wunder und einem lang vergessenem Zuhause.

Meine Meinung
Zugegeben als ich anfing den Roman zu lesen, hatte ich einen Jugendroman à la Tintenherz erwartet. Aber ich habe mich sehr schnell eines Besseren belehren lassen. Wenn überhaupt, dann erinnert der Roman von seiner Art her eher an den düsteren, dritten Teil der Tintenwelt-Sage. Aber selbst dieser Vergleich wird dem Buch nicht gerecht. „Das Labyrinth des Fauns“ ist ein finsterer und gewalttätiger, zwar nicht direkt gruseliger, aber doch unter- und oberschwellig schauriger Roman. Den Film „Pans Labyrinth“, auf dem der Roman basiert, habe ich erst sehr viel später gesehen, deshalb wusste ich nur ganz vage, was mich erwartet. Doch der Roman braucht den Film nicht, um zu funktionieren, um seine Wirkung zu entfalten. Dafür hat die Autorin mit einer bildgewaltigen, stilistisch unglaublich starken Erzählweise gesorgt.

Was mich zunächst allerdings stutzig gemacht und auch verärgert hat, war, dass es sich bei der deutschen Version lediglich um eine Übersetzung handelt (Ich habe es leider erst bemerkt als ich die Lektüre schon beendet hatte). Ursprünglich hat Cornelia Funke den Roman auf Englisch verfasst, was mir wegen der engen Zusammenarbeit mit Guillermo del Toro auch einleuchtet. Dennoch… Auf einer Lesung erfuhr ich aber, dass die Autorin die deutsche Übersetzung nicht einfach durchgewunken hat, sondern sie Satz für Satz durchgegangen ist. Und das beruhigt mich ungemein.

Die Figuren, und zwar alle, ohne Ausnahmen, sind unglaublich lebendig (wie gesagt, ich habe den Film erst nach der Lektüre gesehen – hatte demnach also keine konkreten Bilder im Kopf. Aber ich bin sehr erstaunt, wie gut die Autorin die Figuren mit Worten getroffen hat). Von der kleinsten Assel und Fee bis hin zum abgrundtief bösen Capitan Vidal. Es ist erstaunlich, wie es die Autorin geschafft hat, dem Krieg und dem Leid ein Gesicht und eine Gestalt zu geben. Aber auch die Hoffnung, der Mut und die Liebe haben Namen und Gestalt: Ofelia, Mercedes und der Arzt. Ofelia hat so unglaublich viele Gegner und ist so bitter allein. Sie muss sehr schnell lernen, was es heißt erwachsen zu werden und was es bedeutet, Mut und Verantwortung zu zeigen. Alles erscheint so aussichts- und hoffnungslos und doch geht von Ofelia eine Ruhe und Hoffnung aus. Ich war mehrmals wirklich zu Tränen gerührt. Vor allem das Ende hat mich ganz besonders mitgenommen.

Eine solche Lebendigkeit und einen derartigen Realismus in der Fantasie findet man selten. Cornelia Funke erschafft ihn durch ihren Schreibstil. Wiederkehrende Motive, die die Fantasie des Lesers anstacheln, sind ein wichtiger Teil der Erzählung. Der Stil ist magisch, märchenhaft, rhetorisch ausgefeilt. Es ist erstaunlich, dass es möglich ist, so viel Lebendigkeit zu schaffen, in einem Szenario, dass von Tod, Düsternis und Vergänglichkeit dominiert wird. Die Erzählung ist facettenreich, pauschalisiert oder verherrlicht nicht, zeigt die (un)menschlichen Abgründe, aber auch das Reine und Gute in den Menschen.

Die spannungsreiche und düstere Handlung um Ofelia, einen geheimnisvollen Faun, drei magischen und gefährlichen Aufgaben stammen ursprünglich aus der Feder von Guillermo del Toro. Die komplexe Handlung orientiert sich demnach am Film. Allerdings bringt die Autorin nicht nur durch ihren Schreibstil etwas Eigenes ein, sondern auch mittels der sogenannten Interludes, die einige Aspekte der Geschichte freier erzählen und vertiefen. Die Interludes erzählen in Märchenform kleine Geschichten, die sich perfekt mit der Haupthandlung verflechten.

„Das Labyrinth des Fauns“ von Cornelia Funke (und Guillermo del Toro) hat mich, wie man dieser Rezension unschwer entnehmen kann, einfach verzaubert. Ein anderes Wort gibt es dafür nicht. Und wenn das Zauberei ist, dann kann sie doch gar nichts Schlechtes sein, oder?

Mein Fazit
„Das Labyrinth des Fauns“ ist ein weiteres literarisches Meisterstück aus der Feder von Cornelia Funke. Mich hat lange mehr kein Roman so sehr in seinen Bann gezogen und begeistert, wie dieser hier. Ich ziehe meinen Hut vor Cornelia Funke, Guillermo del Toro und dem Übersetzer. Definitiv ein Jahreshighlight!

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