[Rezension] Die verfluchte Stadt

Die verfluchte Stadt – C. L. Werner

Verlag: Black Library | Seiten: 330
Originaltitel: Cursed City | Übersetzer: Bent Jensen
Erschienen: 2021

Kurzbeschreibung

Ulfenkarn ist eine Stadt in der Albträume lebendig werden. Die Stadt wird von dem Vampirherrscher Radukar dem Wolf und seinem untoten Hofstaat beherrscht. Die sterblichen Bewohnenden Ulfenkarns leben in Angst und Schrecken. Doch zu den Schrecken der Nacht gesellt sich ein Serienmörder, der unter den Sterblichen ein Blutbad anrichtet. Eine ungewöhnliche Held*innengruppe sucht nach dem Mörder und findet sich von Angesicht zu Angesicht mit Radukar und seinem Hofstaat.


Meine Meinung

Für eine absolute Warhammer-Unkundige habe ich mich in diesem Roman erstaunlich gut zurecht gefunden. Ich hatte weniger Fragezeichen im Kopf als zu Beginn erwartet. Das will was heißen, denn das Universum Warhammer Age of Sigmar, in das ich gerade mal den großen Zeh getaucht habe, ist gefühlt endlos und ich kenne mich gerade mal mit den Basics aus (und selbst dort, tappe ich überwiegend noch im Dunklen).

Der Grund, weshalb ich mich in dieser Geschichte nicht verloren gefühlt habe, lautet ganz einfach: 1-A-World-Building. Der Autor hat ein gutes Gespür dafür, welche Hintergrundinformationen zwingend notwendig sind und welche entbehrlich sind, damit der*die Leser*in sich weder verloren noch erschlagen fühlt. Viele Erklärungen werden gekonnt nebenbei eingestreut.

Allgemein ist die Art und Weise wie der Autor Ulfenkarn, die Bewohner*innen, die Schreckensherrschaft, die Düsternis und alle weiteren Grausamkeiten beschreibt überaus gelungen. Der Autor und der Übersetzer legen jeweils eine große sprachliche Gewandtheit an den Tag. Besonders die Gewalt, die Blutrünstigkeit und die Erbarmungslosigkeit der Lebensumstände und der Hauptakteur*innen wird ziemlich explizit beschrieben. Die Handlung ist insgesamt sehr blutig, brutal und düster.

So gut das World-Building in diesem Roman auch ist, so hapert es leider umso mehr bei den Figuren(beschreibungen). Zugegeben: Die Held*innengruppe besteht aus grundsätzlich charakterstarken und eigensinnigen Figuren: Gustaf Voss (Vampirjäger), Emelda Braskov (Soldatin und die letzte ihres Adelsgeschlechts), Morrvahl (Zauberer) und Loew (Rebell) geben ein eindrucksvolles Bild ab – auf den ersten Blick zumindest. Denn insgesamt erscheinen sie doch recht flach und blass. Sie haben zwar eine Backstory, aber diese ist nur oberflächlich ausgearbeitet und wird wie die Melodie eines Leierkastens ständig wiederholt: Über Emelda erfährt man so gut wie nichts, außer in jedem dritten Satz, dass sie Vergeltung sucht und sie die letzte ihre Geschlechts ist. Bei Gustaf ist der Fall ähnlich gelagert: Er ist Vampirjäger des azyritiker Ordens und sucht Darrock. Ahja… Mir fehlte insgesamt mehr Tiefe, mehr lebendige Vergangenheit, mehr Eigenheiten, mehr persönliche Details. Die Figuren leben nicht über die Buchdeckel hinaus. Das gilt nicht nur für die Hauptfiguren, sondern auch für Nebenfiguren.

Ein weiterer Kritikpunkt betrifft den Handlungsverlauf: Die Geschichte um die Stadt Ulfenkarn, den mysteriösen Mörder und den unerbittlichen Vampirherrscher Radukar finde ich richtig cool. Allerdings weist die Geschichte so einige erzählerische Längen auf. Die immer wieder mühsam aufgebaute Spannung sackt viel zu schnell ab, weil die Held*innen immer viel zu sehr damit beschäftigt sind, zu fliehen. Um es mit Gustafs Worten zu sagen: „Sie waren hierfür nicht bereit. Ihre einzige Hoffnung bestand in der Flucht“ (S. 301) – So denken und verhalten sie sich von Anfang bis Ende – das ist ganz schön mühselig.

Das Geheimnis um die mysteriöse Mordserie wird zweimal gelüftet; bei der zweiten großen Enthüllung fühlte es sich gar nicht mehr danach an, denn man weiß ja schon Bescheid. Insgesamt fand ich die Perspektive von Radukar und die Beschreibungen der Mordszenen sehr gelungen. Bei diesen Handlungssträngen stimmten die Spannung und das Erzähltempo. Wie die verschiedenen Perspektiven miteinander verflochten wurden, konnte mich hingegen nicht überzeugen: Der Showdown war in Ordnung, aber vom Tempo her eher langsam.


Mein Fazit

Von meinem ersten, buchigen Ausflug in das Warhammer-Universum bin ich sehr positiv überrascht. Auch wenn „Die verfluchte Stadt“ meiner Meinung nach kein Meisterwerk ist, hat mir die Lektüre durchaus gefallen und für ein paar spannend-düstere Lesestunden gesorgt.


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