[Rezension] Vanitas – Schwarz wie Erde (Bd. 1)

Vanitas – Schwarz wie Erde – Ursula Poznanski

Vanitas Cover schwarz mit welkenden Blumen und einem Insekt

Verlag: Knaur Verlag | Seiten: 376
Preis: 14,99€ | ISBN: 978-3-426-22686-5
Erschienen: 2019

Kurzbeschreibung
Carolin arbeitet in einer Friedhofsblumenhandlung am Zentralfriedhof in Wien. Doch Carolin ist nicht Carolin. Seit sie als Polizeispitzel den Fängen eines gefährlichen Clans entkommen ist, lebt sie in Wien und versucht sich in Sicherheit zu wiegen. Doch ein Blumengruß reißt sie plötzlich aus dieser vermeintlichen Idylle und sie wird auf einen neuen, tödlichen Fall in München angesetzt. Merkwürdige Unfälle mit Todesfolge erschüttern die Baustellen der Landeshauptstadt Bayerns…


Meine Meinung
Die Bücher von Ursula Poznanski und ich haben ein etwas gespanntes Verhältnis, wir sind nicht immer einer Meinung und ich hab hin und wieder etwas auszusetzen. Aber wie man sieht, hält mich das nicht davon ab, die Bücher immer wieder zur Hand zu nehmen. Vor allem wenn die Story auch noch so spannend klingt. Wenn ich diesen Thriller mithilfe der Sprache der Blumen beschreiben müsste, bestünde mein Strauß aus Kapuzinerkresse (Du verbirgst etwas vor mir), Klemalis (Raffinesse), orangefarbenen Tulpen (Faszination), Anemonen (Erwartung und Hoffnung, Enttäuschung und Vergänglichkeit), Astern (Geduld), Märzenbechern (Ich will nicht länger warten) und gelben Nelken (Durchblick verschaffen).

Fangen wir an mit der Kapuzinerkresse und der Bedeutung “Du verbirgst etwas vor mir”. Dieser Punkt betrifft vor allem die Protagonistin Carolin. Sie ist eine sehr undurchsichtige und wandelbare Figur. Das liegt nicht nur daran, dass sie im Thriller in verschiedene Rollen und Identitäten schlüpft, sondern auch daran, dass die Autorin nur sehr wenig über ihr wahres Ich, ihre Vergangenheit, ihr altes Leben durchblicken lässt. Während des Handlungsgeschehens fallen immer wieder unregelmäßig Hinweise auf ihre Vergangenheit, aber bis zum Ende bleibt vieles im Dunklen und einige Fragen offen. Das ist zum einen raffiniert (Klemalis), aber andererseits auch ein bisschen nervig (Anemonen). Ich bin der Figur einfach nicht habhaft geworden und hatte einfach Schwierigkeiten mich auf sie einzulassen, geschweige denn mich mit ihr zu identifizieren. Carolin ist extrem ambivalent. Einerseits ist sie total verängstigt und traumatisiert, andererseits stürzt sie sich ständig in halsbrecherische und leichtsinnige Eskapaden und wundert sich dann über das Ergebnis. Das hat es mir teilweise schwer gemacht, ihr ihre Todesangst abzunehmen. Aber ich denke, dass genau diese Ambivalenz das Interesse des Lesers weckt. Auch einige Nebenfiguren konnte ich nicht richtig fassen, weil sie teilweise etwas konturenlos waren und ineinander verschwammen. Allerdings war jede der Figuren für eine Überraschung gut.

Die Handlung schreitet mehr oder weniger gemächlich dahin. Es entspinnt sich ein komplexes und dichtes Netz aus Figuren, Ereignissen, Indizien und Hinweisen. Während Carolin ihrem Auftrag nachkommt (oder auch nicht) und des Rätsels Lösung immer näher kommt, hatte ich eher das Gefühl den Durchblick zu verlieren (gelbe Nelken). Mein Aha-Moment kam ziemlich spät im Buch, eigentlich mehr oder weniger in dem Moment als Carolin alles aufklärt. Ein paar Sachverhalte habe ich erahnen können, aber der Knackpunkt hat mich dann doch sehr verblüfft und verwirrt. Ich wäre mit den eingestreuten Hinweisen niemals auf die Lösung gekommen. Die Gedankengänge von Carolin waren viel zu zurückhaltend und verschlüsselt. Damit möchte ich nicht sagen, dass die Lösung weit hergeholt oder gar absurd war, nein, sie war sogar plausibel. Dennoch habe ich mich als Leserin etwas außenvor gelassen gefühlt. Tatsächlich war ich eher Zuschauerin als Beteiligte.

Einige Aspekte im Buch fand ich ein wenig klischeehaft. Rückblickend verstehe ich, warum die Autorin auf dieses und jenes Motiv zurückgreift, aber im Augenblick der Lektüre fand ich sie befremdlich und irgendwie Fehl am Platz.

Wie schon gesagt, hat mich die Story sofort angesprochen. Vor allem der Aspekt der Clan-Kriminalität hatte es mir angetan. Allerdings spielt dieser eher marginal eine Rolle. Aber auch dieser Thriller hatte hier und da ein paar (viele) Flauten und Längen (Märzenbrecher, Astern). Doch vor allem gegen Ende nimmt die Handlung an Fahrt auf bis der große Knall kommt. Ich war richtig gebannt, sodass ich das Buch nicht aus der Hand legen wollte. Das Ende an sich hat mich ein wenig stutzig gemacht. Denn angesichts des Aufwands, der hinter der Unfall- und Todesserie steht, gestaltet sich der Ausgang viel zu einfach. Es war einfach zu gut um wahr zu sein; aber wer weiß, vielleicht zerbricht das Ganze ja im zweiten Teil und die Autorin wollte Carolin und ihre Leser nur in Sicherheit wiegen (Anemone)? Insgesamt hat mich die Handlung wirklich mitgenommen und konnte mich überzeugen. Denn der Thriller hat in mir ein unbestimmtes, kribbeliges Gefühl gespannter Erwartung ausgelöst. Mir hat auch sehr gut gefallen, dass sich die Sprache der Blumen und die Friedhofssymbolik konstant durch den ganzen Thriller gezogen hat.


Mein Fazit
Der Thriller “Vanitas – Schwarz wie Erde” hat trotz einiger Schwachpunkte für einige sehr unterhaltsame und aufregende Stunden gesorgt. Von allen bisher gelesenen Poznanski-Büchern hat mir dieser Thriller am besten gefallen. Die Fortsetzung “Vanitas – Grau wie Asche” (2) habe ich mir schon besorgt und er liegt hier bereits in den Startlöchern. Ich bin schon ganz gespannt, wie es Carolin weiterhin ergeht und ob man nun endlich erfährt, wer sie wirklich ist und was ihr widerfahren ist.


Weitere Meinung zu “Vanitas – Schwarz wie Erde (1)” von Ursula Poznanski

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.