[Rezension] Der Zopf

Der Zopf – Laetitia Colombani

Verlag: Fischer Verlage | Übersetzerin: Claudia Marquardt
Seiten: 288 | Preis: HC 20€
ISBN: 978-3-10-397351-8 | Erschienen: 2018

Kurzbeschreibung
Der Roman erzählt die Geschichte von drei Frauen: Smita, einer Inderin, die um die Bildung und Zukunft ihrer Tochter kämpft; Giulia, einer Sizilianerin, die versucht das Familienunternehmen zu retten; und schließlich, Sarah, einer Kanadierin, die verzweifelt versucht sich selbst zu retten. Die Schicksale der drei Frauen verbinden sich auf unerwartete und außergewöhnliche Art und Weise, genau wie ein Zopf.


Meine Meinung
Zunächst befürchtete ich, dass es sich bei diesem Roman um einen kitschigen Frauenroman handeln würde; aber trotzdem konnte ich nicht die Finger davon lassen. Zum Glück! Denn ansonsten wäre mir eine außergewöhnliche Geschichte durch die Lappen gegangen. Ich liebe solche Irrtümer. Bücher können so viele Überraschungen bereithalten. Es geht um drei starke Frauen, die eigentlich nicht viel miteinander gemein haben: unterschiedliche Kulturen und unterschiedliche Zeitpunkte im Leben. Erst später wird deutlich, dass sie alle auf die eine oder andere Art zu kämpfen haben. Sie müssen sich für sich selbst einsetzen, sich beweisen.

Dass mir der Roman und seine Thematik gefallen haben, kam für mich recht unerwartet. Vor allem, dass man aus dem Thema Haare so viel herausholen kann, hat mich positiv überrascht. Die Erzählweise hatte einen sehr reifen, raffinierten und doch so einfachen Charakter. Die Intermezzi, zwischen den Handlungssträngen, sind zunächst geheimnisvoll und enthüllen ihre wahre Essenz erst am Ende. Und doch halten sie die einzelnen Geschichten zusammen.

Insgesamt wird nicht um den heißen Brei geredet, sondern die Missstände werden beim Namen genannt. Die Schicksale der Frauen wurden auf ehrliche und gefühl- bzw. taktvolle Weise erzählt. Man fühlt mit den Frauen mit, man empört sich und fühlt sich hilflos. Man weiß warum und gegen wen sie kämpfen, weil man es selbst im großen oder kleinen Maßstab mal erlebt hat. Eine starke Frau zu sein, das ist eine Errungenschaft, auf die man in unserer heutigen Gesellschaft stolz sein darf oder eher muss.

Besonders berührend fand ich, dass sich die drei Frauen gelegentlich wie die jeweils anderen gefühlt haben und dies auch beschreiben, z. B. wenn sich Giulia wie eine Anwältin fühlt oder Sarah wie eine Wallfahrerin. Die Geschichten werden zeitversetzt erzählt, miteinander verflochten, treffen sich erst am Ende und vermischen sich. Zwar ahnte ich zu einem gewissen Punkt in der Geschichte bereits wie es ausgehen würde, so hat dieses Wissen den Wert der Geschichte keineswegs geschmälert. Am Ende war ich gleichermaßen gerührt wie auch glücklich. Man fühlt sich einfach überwältigt in dieser Menschlichkeit, die diese drei Frauen erfahren. „Der Zopf“ ist eine wichtige Geschichte, die uns Frauen zeigt, dass wir zusammenhalten müssen. Zusammenhalt – eine Eigenschaft, die in unserer Gesellschaft (in meinen Augen) noch Mangelware ist.

Zum Schluss muss ich noch auf hohem Niveau meckern: Gestört haben mich lediglich die Fehler bei einigen italienischen Wörtern. Ganz gravierend war die Schreibweise von ‚Papa‘. Denn ich bin mir sicher, dass die Autorin hier den ‚papà‘ (Vater) meint und nicht den Papst. Sie spricht ja schließlich auch von der ‚mamma‘ (Mama). Ärgerlich – da hat das Lektorat etwas geschlafen.


Mein Fazit
Dieser Roman ist ein Triumph, er spricht ein Hoch auf uns Frauen aus, die sich Vielem widersetzen müssen, um in Freiheit leben zu können. Eine außergewöhnliche Geschichte mit außergewöhnlichen und bewundernswerten Frauen. Nicht kitschig, sondern sanftmütig und stark.

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