Meine Lesezeichen 2018

[Rezension] Regenwörter

Titel: Regenwörter
Autorin: Rose Ausländer
Reihe: Reclams Universal-Bibliothek Nr. 8959
Verlag: Reclam Verlag
Seiten: 115
Preis: 3,40€
ISBN: 978-3-15-008959-0
Erschienen: 1994

© Coverabbildung: Reclam Verlag

Meine Meinung
Ich weiß nicht, weshalb ich zu diesem Gedichtband griff. Womöglich weil ich seit geraumer Zeit in einer Schreibgruppe aktiv schreibe und es gewohnt bin, lyrische Texte zu lesen, zu schreiben und zu hören? Vielleicht auch nur wegen des ausdrucksstarken Titels? Wie dem auch sei, ‚Regenwörter‘ war ein absoluter Glücksgriff.

An Gedichten missfallen mir häufig die Reime. Rose Ausländer hat einen sehr angenehmen und modernen Stil – ohne Reime. Man muss die Gedichte langsam lesen, am besten sollte man sie sich laut vorlesen (lassen). So klingen die Worte und die Emotionen, die sie transportieren, am stärksten. Manche Wörter entfalten ihre Kraft erst, wenn man sie isoliert von anderen liest. Rose Ausländers Sprache ist sehr ausdrucksstark, gelegentlich etwas düster. Die Sprachbilder sind beeindruckend und riefen bei mir eine Gänsehaut hervor. Oft fühlte ich beim Lesen eine unbestimmbare Melancholie, eine Sehnsucht nach dem Leben.

[Rezension] Samuel. Ein Weg durch Licht und Schatten

 

Titel: Samuel – Ein Weg durch Licht und Schatten
Autorin: Susanne Willeke
Verlag: Novum Verlag
Seiten: 368
Erschienen: 2018
ISBN: 978-3-95840-613-1
Preis: eBook 11,99 €

© Coverabbildung: Novum Verlag

 

 

 

Kurzbeschreibung
Der Engel Samuel, das Menschenmädchen Rika und die Dämonen Yasha und Zif begeben sich auf eine lange Reise. Sie sind auf der Suche nach Recht und Wahrheit. Und während dieser aussichtslos scheinenden Suche, müssen sie so manch Abenteuer bestehen.

Meine Meinung
Susanne Willeke habe ich vor ein paar Monaten zufällig kennengelernt, als wir beide vor dem Büro eines Professors auf den Beginn der Sprechstunde warteten. Wir kamen ins Gespräch und sie verriet mir, dass ihr Roman bald erscheinen würde. Daraufhin sind wir in Kontakt geblieben.

[Rezension] Kleine große Schritte

Titel: Kleine große Schritte
Original: Small great things
Autorin: Jodi Picoult
Übersetzerin Elfriede Peschel
Verlag: C. Bertelsmann
Seiten: 592
Preis: 20€
ISBN: 978-3-570-10237-4
Erschienen: 2017

© Coverabbildung: Hodder & Stoughton

 

Kurzbeschreibung
Ruth Jefferson arbeitet seit 20 Jahren als Säuglingsschwester. Doch als sie eines Tages ein Neugeborenes versorgen will, wird ihr dies von ihrer Vorgesetzten untersagt. Die Eltern, beide ‚weiße Suprematisten‘, wollen nicht, dass sich eine Afroamerikanerin um ihr Baby kümmert. Als es zu einem Notfall kommt und Ruth die einzig anwesende Pflegekraft ist, setzt sie sich über das Verbot hinweg. Doch das Kind stirbt und Ruth wird des Mordes angeklagt.

Meine Meinung
‚Kleine große Schritte‘ ist mal wieder ein typischer Picoult: Der Roman behandelt ein sehr aktuelles und gesellschaftskritisches Thema, und zwar Rassismus und Diskriminierung der afroamerikanischen Bevölkerung in den USA (durch sog. ‚weiße Suprematisten‘). Ich habe diesen letzten Teil absichtlich in Klammern gesetzt, weil der Rassismus und die Diskriminierung, von der man im Roman liest, nicht nur (zwar hauptsächlich) von ‚weißen Suprematisten‘ ausgeübt wird, sondern auch unbewusst durch die ’normale Bevölkerung‘. Rassismus und Diskriminierung sind kein amerikanisches Phänomen, sondern ein internationales Problem. Rassismus und Diskriminierung machen vor niemandem Halt, egal welche Hautfarbe, welches Geschlecht oder welche Religionszugehörigkeit. Das wird in Picoults Roman glasklar.

[Rezension] Sagte Sie

Titel: Sagte Sie. 17 Erzählungen über Sex und Macht
Herausgeberin: Lina Muzur
Verlag: Hanser Verlag
Seiten: 224
Preis: HC 20€
ISBN: 978-3-446-26074-0
Erschienen: 2018

© Coverabbildung: Hanser Verlag

 

Kurzbeschreibung
In dieser Anthologie wurden 17 Erzählungen von 17 Autorinnen gesammelt, die das Beziehungsgeflecht zwischen Männern und Frauen aus allen möglichen Perspektiven behandeln. Im Mittelpunkt der Geschichten stehen dabei Sex und Macht.

Meine Meinung
Hauptaugenmerk der Geschichten liegt, wie der Titel bereits verrät, auf Sex und Macht. Doch es geht um noch viel mehr: es geht um Angst, Wut, Scham und Begehren. Es geht um das Miteinander von Männern und Frauen, Frauen und Frauen. Es geht nicht nur um das Miteinander von Erwachsenen, sondern auch um das von Kindern. In der Gesellschaft, in der Familie, im Beruf. Die Hauptfiguren sind nicht immer Opfer, sondern auch Täter.

[Rezension] Weltenzerstörer

Titel: Weltenzerstörer
Autor: Cixin Liu
Original: 人和吞食者
Übersetzer: Marc Hermann
Verlag: Heyne Verlag
Erschienen: 2018
Preis: 8,99€
Seiten: 128
ISBN: 978-3-453-31925-7

© Coverabbildung: Heyne Verlag

Kurzbeschreibung
Der Weltenzerstörer nähert sich der Erde. Die Menschheit ist in Aufruhr und versucht mir aller Macht das bevorstehende Ende, die Ausbeutung und Vernichtung der Erde, abzuwenden.

Meine Meinung
Wie schon bei der Novelle ‚Spiegel‘ gilt auch, oder vielleicht sogar noch mehr: In der Kürze liegt die Würze. Denn auf schlanken 70 Seiten fasst Cixin Liu gekonnt den größten Makel oder Fehler unserer Zivilisation zusammen: unsere (eingebildete) Überlegenheit gegenüber der Natur. Mit seiner philosophischen, moralischen, dystopischen aber pointierten Erzählung hat mich der Autor erneut überrascht.

[Rezension] Du wolltest es doch


Titel: Du wolltest es doch
Autorin: Louise O’Neill
Übersetzerin:
Katarina Ganslandt
Verlag: Carlsen Verlag
Seiten: 368
Preis: HC 18€
ISBN: 978-3-551-58386-4
Erschienen: 2018

© Coverabbildung: Carlsen Verlag

Kurzbeschreibung
Emma wohnt in einer Kleinstadt und ist eine typische Schönheit. Sie wird von allen begehrt und nutzt dies auch schamlos aus. Eines Abends geht sie auf eine Party. Doch als sie am nächsten Morgen aufwacht, ist nichts mehr so wie es war. Sie kann sich an nichts erinnern. Als Fotos von ihr auf Facebook auftauchen, in denen sie bewusstlos von Mitschülern und Bekannten missbraucht und vergewaltigt wird, beginnt der Kampf: mit sich selbst, der Gesellschaft und dem Gesetz.

Meine Meinung
Der Roman erzählt eine markerschütternde Geschichte, bei der man ganz langsam den Glauben an die Menschheit und den gesunden Menschenverstand verliert. ‚Du wolltest es doch‘ ist harter Tobak und behandelt Themen wie Vergewaltigung, Depression, Selbstmord, Slut-Shaming, Sexual Consent. Und das alles auf dem Hintergrund der Sozialen Medien. Ein Themenkomplex, der dunkle Schatten wirft und stark polarisiert.

Die Autorin zeichnet mit Emmas Geschichte einen Spiegel unserer Gesellschaft bzw. einen Teil unserer Gesellschaft. Sie ruft realistische und intensive Bilder hervor, die sie zwar nicht immer gekonnt und stilsicher, aber nichtsdestotrotz glaubhaft in Worte fasst.

[Rezension] Thalamus

Titel: Thalamus
Autorin: Ursula Poznanski
Verlag: Loewe Verlag
Seiten: 446
Preis: 16,95€
ISBN: 978-3-7855-8614-3
Erschienen: 2018

© Coverabbildung: Loewe Verlag

 

Kurzbeschreibung
Nach einem schweren Motorradunfall wird Timo in den Markwaldhof, einer Rehabilitationsklinik für Traumapatienten, verlegt. Dort soll er sich von seinen Verletzungen erholen. In der Tat erholt er sich recht schnell. Nur sein Sprachzentrum und die Feinmotorik machen es ihm schwer mit den Ärzten, Pflegern und Mitpatienten zu kommunizieren. Dabei hätte Timo sehr viel zu erzählen. Denn nachts geschehen seltsame Dinge, die er sich nicht erklären kann.

Meine Meinung
Für ihren neuen Roman hat sich die Autorin ein interessantes Setting und eine verlockende Ausgangssituation ausgedacht. Der Umstand, dass Timo nicht oder nur sehr beschränkt kommunizieren kann, stellt eine erzählerische Herausforderung dar. Diese wurde von der Autorin gut und gekonnt umgesetzt. Timos dahingehende Hilfslosigkeit konnte ich sehr gut nachvollziehen.

Von Beginn an war alles sehr mysteriös. Der Kontrast zwischen Tag und Nacht war sehr reizvoll und düster; gruselig aber nicht so sehr. Spannend wurde es auch erst ab circa Seiten 150-200. Die erste Hälfte der Geschichte hat sich etwas gezogen und war von vielen Wiederholungen geprägt. Aber bevor es zu langweilig wurde, kam dann doch noch Schwung in die Bude.

[Rezension] Invisible

Titel: Invisible
Autoren: Ursula Poznanski, Arno Strobel
Verlag: Rowohlt Verlag
Seiten: 368
Preis: HC 14,99€, TB 9,99€, eBook 12,99€
ISBN: 978-3-8052-0015-8
Erschienen: 2018

© Coverabbildung: Rowohlt Verlag

 

Kurzbeschreibung
Die Hamburger Kommissare Nina Salomon und Daniel Buchholz stehen vor eine Serie rätselfhafter Mordfälle: Menschen ermorden ihre Opfer, obwohl sie ihre Opfer gar nicht kennen und sie ihnen nichts getan haben. Das Einzige, was die Morde zu verbinden scheint, ist das Motiv: Wut. Doch was steckt tatsächlich dahinter? Oder noch viel dringender, wer?

Meine Meinung
Ich war sehr gespannt auf diesen Thriller, weil mir ‚Anonym‘ so gut gefallen hat. Falltechnisch wurde ich auf jeden Fall nicht enttäuscht – oder zumindest nur teilweise nicht enttäuscht. Die Autoren bieten erneut eine, wie soll ich sagen, ‚innovative‘ Mordserie mit interessanter Auflösung. Trotzdem steht ‚Invisible‘ weit hinter ‚Anonym‘ zurück. Das liegt vor allem an den Figuren und ihrem ständigen Hang zum Drama. Was die Autoren dem Leser auf zwischenmenschlicher Ebene auftischen, war ja fast unerträglich. So viel nerviges Hin und Her zwischen den Protagonisten und ihren Kollegen, Freunden und Bekannten. Auch die Dynamiken zwischen dem Ermittlerduo sind für mich undurchdringlich und sie bleiben auch in diesem Teil unsympathisch. Daran ändert auch die Erzählung in erster Person Singular nichts.

[Rezension] Kopfzecke

Titel: Kopfzecke
Autor: Iris Blauensteiner
Verlag: Verlag Kremayr & Scheriau
Seiten: 174
Preis: 19,90 €
ISBN: 978-3-218-01044-3
Erschienen: 2016

© Coverabbildung: Verlag Kremayr & Scheriau

 

Kurzbeschreibung
Moni pflegt ihre demenzkranke Mutter. Während ihr eigenes Leben fast daran zerbricht, kämpft sie um die letzten Erinnerungen ihrer Mutter.

Meine Meinung
Es ist schwer eine Geschichte, die so einen starken privaten Charakterzug aufweist, zu rezensieren, geschweige denn zu bewerten.

Das Erste was mir beim Lesen aufgefallen ist, ist, dass man diese Aufzeichnungen nicht schnell lesen sollte. Während Moni die Zeit durch die Finger rinnt, muss sich der Leser genau diese Zeit nehmen. Ansonsten versteht man nicht richtig, verpasst die eigentliche Aussage hinter den Worten oder vielmehr hinter den wortgewaltigen Bildern. Denn die Autorin arbeitet bei der Erzählung sehr viel mit Metaphern, Vergleichen und sprachlichen Bildern. Das Bild der ‚Kopfzecke‘ ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür. Der Leser begibt sich auf eine Reise durch ein kompliziertes Emotions- und Sprachgeflecht. Es ist eine düstere Erzählung, die sehr stark von Vergänglichkeit geprägt ist.

[Rezension] Vox

Titel: Vox
Autorin: Christina Dalcher
Original: Vox
Übersetzerinnen: Susanne Aeckerle, Marion Balkenhol
Verlag: S. Fischer Verlage
Erschienen: 2018
Seiten: 400
Preis: 20€
ISBN: 978-3-10-397407-2

© Coverabbildung: S. Fischer Verlage

Kurzbeschreibung
In den USA dürfen Frauen nicht mehr als 100 Wörter am Tag sprechen. In Schulen werden Mädchen durch Wettbewerbe und Preise dazu angehalten, so wenig wie möglich zu sprechen. Doch die Wissenschaftlerin Dr. Jean McClellan möchte dies nicht hinnehmen. Als ihr die Regierung eines Tages eine unerwartete Chance gibt, ihre Stimme und ihre Arbeit für etwas Gutes zu nutzen, beginnt der Kampf um die Rechte der Frauen.

Meine Meinung
Vor Kurzem habe ich noch einen Roman gelesen, in dem es darum ging den Frauen, auf unkonventionelle Art und Weise, eine Stimme zu geben. Nun lese ich wie den Frauen die Stimme, auf eine menschenunwürdige Art und Weise, genommen wird. So schnell kann sich das Blatt wenden.

Der Einstieg in die Geschichte gelingt und ist ganz einfach. Durch die Ich-Erzählung sind die Ereignisse greifbar und nachvollziehbar. Glücklicherweise handelt es sich bei der Erzählweise um ein eher distanziertes Erzählen, das die Ereignisse reflektiert und kommentiert. Und sich so nicht in einem Wirbel von Emotionen verliert.