[Werbung: Leseexemplar | Rezension] Hochamt in Neapel

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Titel:
Hochamt in Neapel
Autor: Stefan von der Lahr
Verlag: C. H. Beck
Seiten: 365
Preis: Broschur 19,95€
ISBN: 978-3-406-73133-4
Erschienen: 25.1.2019

© Coverabbildung: C. H. Beck

 

Kurzbeschreibung
Vor den Augen zweier römischer Polizisten wird ein Zollbeamter kaltblütig ermordet. Etwa zur gleichen Zeit wird in Neapel eine bedeutende und gleichzeitig skandalträchtige archäologische und kirchengeschichtliche Entdeckung gemacht. Während diese Ereignisse augenscheinlich nichts miteinander zu tun haben, entspannt sich unbemerkt ein Netz zwischen den Städten und den Beteiligten, dessen Fäden viel weitreichender sind als irgendjemand ähnen könnte.

Meine Meinung
Der Ausgangspunkt dieses Kriminalromans hat mich auf ganzer Linie überzeugt und sofort in seinen Bann gezogen. Mir gefällt die Mischung aus Wissenschaft, Politik und Krimi. Ein ähnliches Konzept liegt auch den Dan Brown-Romanen oder den Indiana Jones-Filmen zugrunde. Die (inter)nationalen wirtschafts- und umweltpolitischen Verflechtungen sowie deren Zusammenhänge mit der organisierten Kriminalität Italiens werden von dem Autor sehr geschickt und kenntnisreich verwoben.

Man findet sich sehr schnell in dieser Geschichte zurecht. Um die Handlung zu verstehen, braucht es kein Vorwissen (es gibt einen Vorgängerroman Das Grab der Jungfrau). Im Vorgängerroman macht man zwar schon Bekanntschaft mit einigen Schlüsselfiguren, die auch in diesem Roman eine wichtige Rolle spielen, allerdings hat das keinen Einfluss auf das Verständnis der Handlung (ich selbst kenne den Vorgängerroman auch nicht).

Bei den Figuren sind mir ein paar negative Aspekte ins Auge gestochen. Fangen wir mit den Namen an. Jackey und Savio Napoletano sowie Lukas Berliner haben Ortsnamen als Familiennamen. Diese rufen in meinem Kopf bestimmte Assoziationen und ja ‚Vorurteile‘ hervor. Ich meine, Lukas Berliner – noch deutscher geht nicht. Bei Savio Napoletano verhält es sich ähnlich: der typische Italiener mit Mafia-Vergangenheit – ne, ist klar. Leider sehr klischeehaft und stereotypisch gedacht. Doch mein Problem mit den Figuren geht noch weiter. Viele der Figuren waren unscheinbar, sind mir nicht im Gedächtnis geblieben und verschwimmen beim Lesen ineinander (das ist mir vor allem bei den Ermittlern aufgefallen). Jackey Napoletano kam mir in ihrer Rolle vor wie eine Eintagsfliege. Sie sticht auch nur heraus, weil sie eine Frau ist (die einzige Frau, wenn ich mich nicht täusche, die in diesem Roman eine tragende Rolle spielt. Mal abgesehen von den Parenti, der Mutter am Brunnen und der Sekretärin.) – Schade!

Zur Handlung. Wie eingangs schon erwähnt, finde ich den Ausgangspunkt klasse. Das Potenzial hat der Autor auch vernünftig ausgeschöpft, auch wenn er am Ende etwas über die Stränge schlägt. Das Verbrechen und das kirchengeschichtliche Geheimnis sind spannend. Die Art und Weise wie die Ereignisse in Rom und Neapel zusammengeführt werden, geschieht schleichend. Die Handlung wirkt nicht konstruiert. Das Erzähltempo ist gemächlich, manchmal mit ein paar Längen. Es ist nicht durchgehend spannend, sondern es kommt eher zu Spannungsspitzen. Und wie schon gesagt, hat mich das Ende (bzw. die letzten 30 bis 40 Seiten) etwas erstaunt. Ich hatte ernsthaft erwartet, der Roman würde an einer anderen Stelle enden. Rom und Neapel sind die Hauptschauplätze, daneben gibt es noch andere Orte, die zunächst total unzusammenhängend daherkommen. Erst später ergibt alles einen Sinn. Klar, war dieser Teil der Geschichte auch spannend und hatte auch seinen gewissen Reiz, aber es war trotzdem etwas zu viel des Guten.

Was mich beim Lesen gestört hat, waren die vielen Ausrufezeichen!!!! Ausrufezeichen verleihen dem Gesagten Nachdruck und das kann beim Lesen auf Dauer einfach anstrengend werden. Vor allem bei den Sätzen, bei denen sie unnötig sind. Manchmal ist weniger mehr. Wichtig zu beachten: Bei dem Buch handelt es sich um ein unkorrigiertes Leseexemplar. Es kann also sein, dass die Satzzeichen in der Endversion überarbeitet worden sind.

Gefallen hat mit hingegen die Verwendung der italienischen Ausdrücke. Für jemanden, der Italienisch kann und damit aufgewachsen ist, kommen die Ausdrücke sehr stereotypisch daher (sbirri, omm e’merd), aber für einen Leser, der mit der Sprache nichts am Hut hat, ist ihre Verwendung gut gewählt. Ich konnte soweit auch keine Fehler erkennen. Die Dialoge waren nicht immer als solche zu erkennen. Sie sind keineswegs misslungen, doch neigen die Figuren häufig dazu, monologhafte Vorträge zu halten. Gepaart mit den Ausrufezeichen war das ganz schön ermüdend.

Neapel ist meine Herzensstadt, weshalb ich neugierig war, wie der Autor sie ins Szene setzen würde. Der Roman fokussiert die negativen Seiten der Stadt: Mafia, Korruption, Armut, Umweltverschmutzung, Gewalt. Der Krimi benötigt diese Aspekte, um zu funktionieren. Aber Neapel ist nicht nur das, nicht nur Gomorrah. Sie ist so viel mehr. Sie ist Gastfreundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Geschichte, Herzlichkeit. Sie ist Familie. Und das sollte man bei der Lektüre nicht vergessen (an dieser Stelle empfehle ich die Lektüre von Cara Napoli von Lorenzo Marone).

Mein Fazit
Hochamt in Neapel ist ein faszinierender und lesenswerter Krimi, der viele wichtige (umwelt-)politische und wirtschaftliche Aspekte unserer Gesellschaft thematisiert. Die Figuren schwächeln zwar, das wiegt der interessante Ausgangspunkt und die kluge Umsetzung wieder auf. Es war eine unterhaltsame, nicht unbedingt kurzweilige Lektüre, auch wenn sie mich vor (An)Spannung nicht gerade umgehauen hat.

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